02.05.2001

Notizen eines Kerzenhändlers - Folge 8

von Nils Röller

Fr: Einstein Berlin
Sa: Zaudern
So: Friesische Verschleissteile
Mo: Pfauenfedern
Di: Vog(e)l-Perspektive
Mi: Malskelett

Raumzeitschiff:
DJ’s sind die Schmiede von heute Geisteswissenschaftler die Bergräte. Bergleute waren früher Seeleute, die unbekannte vergangene Meere entdeckten. Sie waren auf Schatzsuche aus und benutzten Kompasse. Unter Tage konnte man u.a. Schiefertafeln mit Seelilien und Quallen entdecken, aber auch Holzreste, die durch Überschwemmung, Pilze und Bakterien und Druck zu Kohle verwandelt wurden. Aus Gebrauch wird Recht; aus Kunst und Kultur wird Wissenschaft.

Fussnoten zur Audiophilosophie:
Formulierungen wie: "dem denkenden Menschen bereitet es Kummer" ermuntern mich, Freunden von Besuchen im kantianischen System zu berichten. Ich möchte den Bericht Kritik der digitalen Vernunft nennen. Ausgangpunkt dieser Kritik ist die Chance moderner Maschinen. Sie schärfen den Sinn für Mischungen und Zwischenlösungen, die sich komplementär zum "vermeidlichen reinen" Denken der Maschinen entwickelt. Die Kritik wird begleitet durch eine fortwährende Justierung des Verhältnisses von rein und gemischt. Am Ende der Kritik der digitalen Vernunft steht ein Interface und das ist ein Anerkennung des beherzten Sowohl als Auch. Diese Kritik kritisiert sich vor allem selbst, indem sie versucht wahrzunehmen, was sie in ihrer vermeidlichen Reinheit von anderen trennt.

Standortvorteil: Transzendentalphilosophie:
Gotthard Günther sagt, dass zwei Werke der deutschen Philosophie und zwar Kants Kritik der reinen Vernunft und Hegels Logik, Fragen ausgelotet haben, die in der Computerwissenschaft mit hohen Aufwand bearbeitet werden. Damit meint er Forschungen zum Wechsel zwischen Denkinhalten und maschinellen Prozessen, zwischen Software und Hardware, zwischen Geist und Natur. Für die avisierte Kritik konsultiere ich zunächst keines der beiden Werke, sondern lese zwei kürzere Texte Kants. Vorwegschicken möchte ich, dass Oswald Wiener beharrlich fragt, was so etwas wie ein Denkinhalt überhaupt sein soll. Diese Frage gilt es produktiv zu machen, in dem Sinne, dass sie an der Schnittstelle zwischen dem Erbe vergangener Avantgarden und zukünftiger möglicher Avantgarden formuliert wird, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Das waren jetzt vier grosse Namen und zahlreiche Begriffe. Ich möchte bei meinem Bericht versuchen, diese Namen und diese Begriffe zu klären und bitte um Geduld.

1. Frage: Was ist Denken?
2. Frage: Was ist ein Mensch?
3. Frage: Was ist Vernunft?
4. Frage: Was sind moderne Maschinen?

Bevor ich mich diesen 1000 Dollar – Fragen nähere, möchte ich verweisen auf: Eine kurze Notiz zu Gotthard Günther bei TUXAMOON und dem suppose Verlag sowie eine mögliche Annäherung an Oswald Wiener bei TUXAMOON und dem suppose Verlag.