06.08.2001

Notizen eines Kerzenhändlers - Folge 13

von Nils Röller

Reaktionen auf den Zusammenbruch des WTC. Die Folgen eines Abends mit Zigarren...viele Hebelsätze, in denen F.M. Einheit erwähnt wird und auch eine erotische Szene. Ausserdem nimmt das Raumzeitschiff das "Kapital" von Marcello Mercado auf, und im KüNawi-Gloss erscheinen Sonnensegel, platonische Körper und das Zeichenverhalten eines Migranten.

Fr: democracy must be sung (krückunten)
Sa: Russische Jade
So: Farbenmacher (promoviert)
Mo: Geist von Ljubljana
Di: Capri-Boy
Mi: Mitschnitttaste
Do: Digitürk
Fr: lieblich
Sa: Boxprinz (Weichsel)
So: Gottesfurcht (Weichsel)
Mo: Finit
Di: Nacht grant Glas
Mi: Eisen klirrt verschlafen
Do: Wenzel
Fr: Diamanten wandern übers Wasser!
Sa: ausgestreckte Arme
So: Roulettstädte am Rhein
Mo: Aquarelle auf Eternit

Der Kerzenhändler wartet und er beobachtet, wie seine Umwelt auf die bedrohliche Situation seit dem Zusammenbruch des WTC reagiert. Da ist zum Beispiel ein arabischer Händler, der an der Kasse seines Lebensmittelgeschäftes Batterien der Marke Olympia mit der Aufschrift Heavy Duty verkauft und im hinteren Raum Korankassetten anbietet. Wird er künftig diese Kassetten vor deutschen Ordnungskräften verstecken müssen? Ihm war es schon unangenehm vom Kerzenhändler, auf die Kassetten des Sir Omar angesprochen zu werden. Der Kerzenhändler wird versuchen, so wie bisher weiterzumachen. Weil er gewohnt ist, mit beschränkten Ressourcen zu rechnen und zu warten, wird sich jetzt in der Zeit der sich ändernden Weltordnung erst einmal nicht viel für ihn ändern. Mut macht er sich mit dem Gedanken einer neuen Mikrowirtschaft. Seine Mikrowirtschaft beruht auf der Einsicht, dass der Gewinn von einer Mark für einen armen Menschen soviel Möglichkeiten schaffen kann, wie einen reicheren Menschen zehn Mark. Das alles will der Kerzenhändler bedenken und darstellen, jedoch nicht sofort, sondern erst, wenn er vor dem Attentat begonnenen Sätze fortgesetzt hat. Er hat bisher nicht mitgeteilt, was den Anekdoten der letzten Notiz vorhergegangen war, nämlich ein lebendiger Abend bei drei Zigarren und zwei Flaschen Rotwein in einer kleinen Küche. Eine der Zigarren rauchte Cecil Moller, eine weitere ein Künstler aus Argentinen (siehe dazu Raumzeitschiff), der grausame Erinnerungen mitteilte. Der Kerzenhändler kam dabei an den Rand seines Glaubens und musste feststellen, wie unhandlich seine Gedankenhebel sind. Zunächst liess es sich gut an. Nachdem die Zigarren aufgeraucht, die Alkohlhaltigen Getränke verzehrt und die kleine Gruppe sich aufgelöst hat, konnte er bei der Inbetriebnahme des HTMP.RF-Features zunächst Sätze schreiben, die Hoffnung geben, dass die Hebel aufeinander abgestimmt werden können. Nach kurzer Zeit haben sich die Hebel jedoch ineinander verkeilt und nur noch der Heb-Ab-Hebel blieb beweglich.. Der Kerzenhändler hat sich nicht um eine Lockerung der Hebel gekümmert, sondern sich eine Woche lang mit dem H-Hebel beschäftigt. Er konnte in den folgenden Tagen nur mit Mühe in seinem Geschäft arbeiten, da die Zigarren ihm Bauchgrimmern verursacht haben. Künftig wird der Kerzenhändler keine Zigarren mehr rauchen, denn erstens verträgt er sie nicht, zweitens kann er sich diesen Luxus nicht leisten. Ob dieser Verzicht der Arbeit am Heb-Ab-Hebel zugute kam, das mögen die Leser entscheiden. Die Hebelbewegungen haben folgende Zeichenspuren hinterlassen:

In der Luft kreisen krächzende Raben, die von dem Theaterstück über 2037,7 Tonnen Brandbomben nichts wissen...

Haare sind ein Magnet, der die eiserne Dummheit von Männern anzieht, deren Gehirne Grand Hotels gleichen, in denen Schlachtvieh gehalten wird ... Robin Hood krötzt an einem Erntetag um schafwollene Gewänderträger herum, denen die Sonnentage zur eigenen Seelenernte fehlen ... Jedes philosophische Buch ist ein Versuch zu zeigen, was Philosophie ist ... Wann fand Novalis Zeit, seine Königin der Nacht zu küssen, wenn er doch vor dem Schlafen las? ... Ich liebe die künstliche Art Deines Haars Polamid ... Gödel und Macumba: die Kunst, im Irrsinn des Lebens (Armut, Gewalt) nicht Irrsinn, sondern göttliches Walten zu sehen (Vodun) ... Skandieren lernen mit Herodot, Hölderlin und den Vodun ... Im Hause meines mohamedanischen Bruders jaulen vermeintliche Freunde über leere Kassen ... die Geschichte der Empfindlichkeit liest man stotternd, man fängt immer wieder an, nimmt Brocken zu sich, speit sie wieder aus, bis sich der Magen (geistig) an die Feinkost gewöhnt hat ... Idee, F.M. Einheit einen Vormittag lang in Tokio zu beobachten, während er dem Klappern von hölzernen Gebetsbriefen zuhört, die den Fotos von Bombenschäden in Tokio gegenüberliegen. In der Luft kreisen krächzende Raben, die von dem Theaterstück über 2037,7 Tonnen Brandbomben nichts wissen... ein Wörterbuch, das Orientierung im Dickicht der Reize bietet ... F.S. Barbara liebt es, schnuckelig verständnisvoll ihrem Abteilungsleiter bei Geschäftsessen dessen Ausführungen über die Entwicklung des Rentenmarktes zu lauschen und auch gelegentlich kluge Fragen zu stellen, bei denen sie sich wohlwissend über ihr Kostüm und ihre Strapse tastet, die ihr versichern, wie unterschiedlich die Reize sind, die sie aussenden könnte ... Teetrinken mit Herrn Joyce, der seinen Eschenstab in der Hand wiegt und zögert, Dante herauszufordern. Einfach schreiben ... Digitale Menschen ... Väter kleiner Kinder ... Mütter großer Kinder ... strahlendes Wetter ...blassgeschminkte Stewardessen ... Eisreste ... Please don’t mesmerize those quarter knights in their swallowing for the difference that is technology bringing them to uncumbersome suburbs and freezing pendlers waiting for waffellike trains to where is supposted to be their home ...muß heute wieder Kafka um Hilfe rufen, dass er mir bitte einen Landarzt schickt, um mein Unvermögen zu konstatieren, Gefühlsschwankungen von Damen und anderen Wesen meiner Umgebung auszuhalten. Aber Kafka meldet sich nicht und so bleibt mir nur ein Bild von Patinir, dass einen rudernden Jäger Grachus darstellt, wenn man geneigt ist, im Bild zu suchen ... Nachdem ein Schwarm Zugfugen über den Dachmatten gelandet war, retutet Klein Machandro eine kartan bleike Trino beigan... trickst eine Katte Bug vor Reflexionen von Möwenzügen an Helgolands Wellenschemen gehen toten ... Klein Kant sucht einen Experten, der ihm den Sockenhalter des alten Königsbergers erklären kann und auch dessen Begierdehaushalt anhand der Frage, was der Chinese am Pregelfluß von Hamanns deftiger Frau hielt? ... Technologie ist der Fremde, den Levinas explizit nicht ansprechen mag ... schmiegsame Technologie wie Jogging-Schuhe ... blasse Pilgerkinder-Gesichter, deren Haarkranz Papi so gut gefällt wie dem speckigen Techno-Boy mit Trendinstinkten ... auf Stelzen zuckt mein Kurzgemüt auf einem langen Weg zu einem Gefallen, in dem Blumen eine Einladung zur Unvoreingenommenheit darbieten ... Irgendwie schaffen es bestimmte Leute - Fahrstuhlkaiser - ihrer Umgebung zu vermitteln, dass sie soviel mehr wissen, dass die übrigen dies nur noch bewundern können ... In einem Kurzdrama vertreibt Jens Kasp Wolken, die über dem Gesicht eines Budapesters hängen, in dem er die Undurchdringlichkeit der neueren Marktwirtschaft durch Raubbau an sich, der Seele der Slawen und den Familien in der Nähe des Arbeitslosentreffs am Strand zu erkennen gibt ... Probier mein Haus aus, das zwar nur ein Schlafsack ist, aber nichts ist, wofür man sich schämen muss, auch wenn man ein Heim hat ... eine unverständige Dienstmagd ... viel davon aus Chile importiert ... Schriftsteller, die sich mit den Rhythmen dünner Zeichenketten beschäftigen, sind kurzsichtig: ihre Augen sind gerötet und man meint, dass ihnen das Aufblicken, der Blick in die Welt, Mühe bereitet. Sie stolpern und tölpeln oder fürchten, diesen Anschein zu erwecken, wenn sie von ihrer Arbeit an Zeichenhaufen aufschauen. Ader dieser Unsicherheit ist eine Qualität, sie führt zu Fragen, zur Kritik am Selbstverständlichen und treibt zur eingehenden Beschäftigung, zum Sicherheits-Streben, das nie ein Ziel erreichen wird ... gerne Kerzenleuchter .... azurblauens -dunkelblaues Jogging-Herzchen aus Brasilien ... Kafka tickt gerade durch die Vaginalien moseliger Konsumgirls ... Reifrau lässt ihr Taureizhaar in den Wertstoffbeutel fallen... Gruss an einen Poeten, der sich keine Zeit zum Dichten nehmen kann ... Heller Sonnenschein schwebt um ein Gemüt, dessen Schwanken zwischen Kairo und Istanbul als Zeichen dafür dient, dass seine Luftschiffahrt eine verläßliche Dynamik besitzt, ausreichend, um einmal in Ruhe schwarze Buchstaben am roten Meer zu lesen ... Bau eines afro-amerikanischen Leibniz. Er ist aus der psychiatrischen Anstalt von Fano geflohen, gefangen, wieder geflohen, fast gestorben und nun gerettet in Macondo.

Raumzeitschiff: Adequatio Artis et Torturae – Towards Marcello Mercados Capital

Primo Levi spoke once about the shame to be a human being. The shame to be a human being did grow within him after having survived the holocaust. Levi wrote that the shame to have been tortured, to have been treated in a way that cannot be seen in parallels to other treatments, did grow in himself after the liberation of the concentration camps. This is one factor that helps to see Marcello Mercados work "The Capital”. The videofilm is a work in progress since years, it is finding now its shape. The actual state is 70 minutes long. Most time the capital is formed by moving abstract colours and an overhelming soundscape.
The film is not all the time abstract.
This has to do with the second factor: Of colourmaking and of abstraction. The color Fra Angelico became famous for - the Fra Angelico blue – goes back to lapizlazuli stones. Very expensive stones and a very long and precious way were necessary to produce colour from these stones. Marcello Mercados colours go back to Super 8 films: films of tortured persons in Argentina. It is found footage material that someone gave to him. Mercados colour productions starts from these images. He shows this basic images at the end of the film.
At the end of the film one starts to feel shame, shame to have liked colours and forms that have been abstracted from yellow, blue, deformated, burned bones and organs.
Marcellos work challenges an old definition of what is true or not.
True is when mental concepts are adequate to the things they represent.
Three questions do arise immediatley: What is a mental concept? What is an adequate representation? And what are things?
Stefan Zweig discusses aspects of this questions in the context of the theory of novel. Zweig argues that Dostojewskis novels are beautiful because they are truly lived through: The writer Dostojewski did live through all the cruelties and tortures he is writing about.

This enabeld him in the interpetation of Zweig to represent Russia in a true that is adequat form. Zweig argumentation assumes that art is overhelming when an adequation between the representing artists and the represented reality is taking place. This is highly problematic. At minimum in two regards: First because Dostojewski did need a central idea (in his case: the idea of the becoming moral superiority of russia) in order to maintain and persue the construction of his novels, second because the adeqution is a relativ criterion. At the same time, but in a different geophilosphical context the definition of adequatio is not connected with an action of the soul, but to well working technology (see for example the biologist Ernst Haeckel).

How an adeqution is performed can be discussed in terms of geophilosophical and epistemic conditions. Marcellos Mercados The capital reflects this. Like Dostojewski he has survived extreme situations, but in difference to Dostojewski Marcello does not construct a central idea in order to organize his expressions. Marcello uses distinctly technology in order to question what he has seen and suffered. Flint- and Paintbox – Techniques are used as optical devices who do shape another view on the phenomena to express. This enables him to step beside his powerstation of sensations and to discuss them from a different angle. Colour options and geometric constructions are such angles. They are laid out in the programm of the machines. But this angels are not focussed by a fleeing point, but by an open horizont formed by a critique on capitalism.
The Capital of Marx serves in the Capital of Mercado as an open horizont of questions (not as stock for clear ideas that may order actions and events) and as an invitation to discuss the fact of torture and cruelity in a post-colonial time.

Logbuch der Liebe: Der Briefwechsel zwischen Ernst Haeckel und Frida von Uslar-Gleichen ist ein lebendiges Zeugnis der Widersprüche des neunzehnten Jahrhunderts: Die erhöhte Reisegeschwindigkeit durch die Eisenbahn nähert die Liebenden schneller an und die Post beschleunigt den Strom von Zitaten, z.B. aus den historischen Briefen Goethes und Charlotte von Steins; zugleich verhindern ethische und politische Rücksichten eine Annäherung der beiden Liebenden. Das Panorama wilhelminischer Umgangsformen wird durch den Selbstmord der wesentlichen jüngeren Frau von Uslar-Gleichen tragisch getrübt.
Die schriftlichen Dokumente der Beziehung wurde kurz nach dem Ableben Haeckels editorisch entstellt und melodramatisch "verwertet". Nun liegt eine neue dreibändige Ausgabe vor, die aufzeigt, wie sich die beiden Liebenden in einem Netz von literarischen Bezügen zu Gerhard Hauptmann, Goethe und Giordano Bruno verfangen konnten.
Das ungelöste Welträtsel – Frida von Uslar Gleichen und Ernst Haeckel. Drei Bände herausgegeben von Norbert Elsner. Wallstein Verlag. Göttingen 2000. 1341 Seiten. 123 zum Teil farbige Abbildungen. 98 Mark

Kü-Nawi-Gloss:

Bacteriohodopsin:
Molekül des purpurroten Farbstoffes des Hallobacterium Salinarum, verwandt dem Sehpurpur unserer Netzhaut; es wird als Energieumwandler tätig: trifft ein Lichtteilchen (Photon) auf ein solches Molekül, wird ein Teil dieser Lichtenergie in Bewegungsenergie umgesetzt (Protonen). Diese Energie-Währung kann überall dort ausgegeben werden, wo der Organismus gerade biologische Arbeit leistet ... Die Protonen- "Pumpe” des Moleküls ist eine Art "Motor des Lebens”, der aus dem universell präsenten Licht spezifische biologische Energie erzeugt. (PerZan) *

BasenTriplett: (auch: CODON)
Die genetische Information (Text) ist in der DNA in einem Triplettcode verschlüsselt, bei dem jeweils 3 Basenpaare aus den Nukleinsäuren A (Adenin), G (Guanin), C (Cytosin) und T (Thymin) eine Aminosäure festlegen. (PerZan)

Chemische Biologie:
Entwickelt Modelle für Untersuchungen auf molekulare und zellulärer Ebene.

Epithelien:
Mutationen auf der Ebene des Erbmaterials (80%) aller Tumore bestehen daraus. Durch sie werden Stoffe transportiert und die Signalwege zwischen Zellen reguliert. Sie trennen verschiedene Räume im Körper voneinander, sie schützen den Organismus vor äusseren Einflüssen.

Ernährungsphysiologie:
Energiestoffwechsel, bestimmt den Brennwert von Nahrungsstoffen, d.h. den Kalorienwert. Danach kann der Kalorienbedarf verschiedener Berufe bestimmt werden. Max Rubner erbrachte den Nachweis, dass das Gesetz über die Erhaltung der Energie auch für tierische Organismen gilt. Er war wichtigster Berater des Kriegsernäherungsausschusses und leistete Bahnbrechendes auf dem Gebiet der Hygiene. Rubner gilt als Begründer der Arbeitsphysiologie.

Farbenlehre:
Die Wissenschaft von den Farben als optische Erscheinung. Teil der physiologischen Optik. Historischer Beginn bei Aristoteles; sie wurde im 17. Jh. Descartes und Kircher, später Newton und Goethe mit teils kontroversen Lehren entwickelt. Die Farbenlehre Panzers synthetisiert die Farblehren Goethes und Newtons im 3D Raum in Korrelation zum Referenzraum der biologischen Aminosäuren und der DNA. Als grundlegende Strukturgebung dient die Semiotik des chinesischen I Ging. Der Farbraum Panzers harmonisiert das stofflich-materielle Farbverständnis mit der zeitlich-frequenziellen Eigenschaftlichkeit und ist ein Syntheseraum der Ambivalenz des Lichts. (PerZan)

Goldener Schnitt:
(lat: sectio aura) Uralte geometrische Aufgabe, eine gegebene Seite derart zu teilen (zerschneiden), dass sich die Länge der ganzen Strecke zur Länge des grösseren Teilstücks so verhält, wie es die Länge des grösseren zur Länge des kleineren Abschnitts tut ... Anwendung in der griechischen Architektur (Parthenon), in der Renaissance als "Göttliche Proportion” (Proportionsskizzen von Leonardo da Vinci) bis in die Moderne. Auch Planetenbahnen, die sich im "Goldenen Schnitt” abgestimmt haben, weisen grösste Stabilität auf. (PerZan)

Gouache (Sympathischer Überbegriff von 'Deckfarbenmalerei':
Das Wort taucht auf im 18. Jahrhundert, die Technik selbst ist uralt - man nehme die Papyrusrollen als Beispiel. Das Gouache ist ein opakes Aquarell. Im Unterschied zur Transparenz des Aquarells kann das Gouache fast Ölmalerei werden. Viele meiner Arbeiten auf Papier sind Gouachen, verbunden mit Blei, Collagen, Tuschen. Ich liebe auch die Tuschen. Auf dem sonntäglichen Flohmarkt von Spa habe ich alte grosse Tuschflaschen erworben - aus der Zeit, als die Tusche einen hohen Stellenwert auch für Büros, Verwaltungen, Schulen hatte. Tuschen in ihrem fluiden Charakter können Gouachen überlagern, überfliessen, aufschwemmen. (J.Cl.) *

Grammatik:
Das einer Sprache zugrunde liegende Regelwerk, hier: des "genetischen Textes” der biologischen DNA, des sog. GENOMs. Die Entdeckung eines solchen interaktiven, syntaktischen Systems könnte zur "Lesbarkeit” der genetischen Informationen und ihrer funktionalen Deutung führen. (PerZan)

Metasprache:
(griech.: inmitten, zwischen, hinter) Zwischen- oder "über” sprachliches System, das auf der Basis eines gemeinsamen Codes oder Algorithmus (oder mehr) Subsysteme zusammenfasst. Eine Metasprache hat demnach die Kompetenz, Eigenschaften auszudrücken, die verschiedenen Phänomenen gemeinsam sind und dabei eine eigene Syntax, Semantik und Semiotik zu entwickeln. (PerZan)

Molekulare Physiologie:
Untersucht durch welche Veränderungen in ihrer Struktur Biomoleküle diese wichtige Aufgaben im Gesamtorganismus ausführen können.

Ölbild:
Sehr alt, aber auch zeitgenössisch. Kostbar. Traditionsbeladen. Bei jedem Pinselstrich misst du dich auch mit den Malereien der Tintoretto, Monet, Baumeister. Ob du willst oder nicht: es gibt nur Dialoge, keinen Ausstieg aus den Traditionen. Ölmalerei ist auch Geruchskunst. Ätherische Öle und harzige Balsame wie das Terpentinöl, die das Atelier mit dem Spezifikum der Ölmalerei durchziehen. Als ich nachhaltige Erkältungen nicht loswurde, verschrieb mir Dr. Benoit Terpentinöl zum Einatmen. Medizinische Atelierkost, sozusagen. ( J.Cl.)

PEPTID (-bindung):
Verbindung zweier Aminosäuren (COOH-Gruppe der einen mit Der NH 2-Gruppe der anderen Aminosäure) unter Wasseraustritt. Weitere Anlagerungen von Aminosäuren führen zur Kettenbildung (Poly-Peptide). Diese nehmen eine räumliche Gestalt an und bilden die Proteine. (PerZan)

Photovoltaik:
Das griechische Wort für Licht und der Name des Pioniers in der Elektrizitätsforschung Alessandro Volta verbinden sich in dem Wort Photovoltaik. Die Solarzelle wurde 1954 erfunden. Bausteine dafür lieferten Forscher wie Heinrich Hertz, Werner von Siemens, Max Planck, Albert Einstein. Licht ist ein Fluss winziger Energieteilchen, der Photonen, die bei Auftritt auf bestimmte Materialien Elektronen freisetzen und damit schliesslich elektrischen Strom. Die Photovoltaik ist der Königsweg in den erneuerbaren Energien. Für mich wurde sie ab 1983 in künstlerischen Kontexten für Solarskulpturen wertvoll. ( J.Cl.)

Photozyklus:
Zyklus der Licht–Energie–Umwandlung: Aus den Protonen von Licht entstehen positive Wasserstoff-Ionen, Protonen. Und Rückkehr in den Ausgangsstatus. (s. Bacteriorhodopsin). (PerZan)

Physiologie:
Ist nach Rotschuh die Wissenschaft, welche die Lebensprozesse und Tätigkeitsäusserungen des menschlichen Organismus für sich und im Zusammenhang untersucht. Ihr Hauptziel ist das Verständnis von Lebensfunktionen.

Platonische Körper:
Drei Namen von Interpretationen über die Zeiten hinweg: Timaios - Kepler - Buckminster Fuller. Platon (427-347 v.Ch.) gibt das Wort dem Timaios als dem "Sternkundigsten unter uns" und demjenigen, "der es zur Hauptaufgabe seines Lebens machte, zur Kenntnis der Natur des Weltalls zu gelangen". Im Dialog Timaios, einem Alterswerk Platons, ist das Weltall mit regelmässigen Körpern besetzt. Fünf Körper (Tetraeder, Hexaeder, Oktaeder, Dodekaeder, Ikosaeder), die von regelmässigen, untereinander kongruenten Vielecken begrenzt sind. Kepler (1571-1630): "Also dass es einer aus meinen Gedancken ist / ob nicht die gantze Natur vnd alle himmlische Zierligkeit / in der Geometria symbolisirt sey." Die Welt-Harmonik ist die Harmonik der regelmässigen Figuren. Buckminster Fuller (1895-1983) hievte die platonischen Körper ins elektronische Zeitalter. Er aktualisierte sie in Bezug auf eine umfassende all-regenerative Designtheorie. Die platonischen Körper sind mir gegenwärtig als Konstruktionsprinzipien meiner bisher ausgeführten Solarskulpturen und der konzipierten Entwürfe. Ihr Verhältnis zur kristallinen Welt ist ein Teil meiner malerischen Recherche. (J.Cl.)

Satelliten:
Von Bord des mit Solarzellen ausgestatteten Satelliten 'Explorer 6' schickte im Jahre 1959 eine Fernsehkamera erstmals Bilder der Erde von einem Erdtrabanten aus live zur Erde zurück. Der Medienraum Erde wurde von diesem Datum an durch den solaren Raum, beziehungsweise seine Energienutzung, erlebbar. Übrigens war der deutsche Ingenieur Dr. Hans Ziegler, der mit Werner von Braun am Kriegsende in die USA kam, der Promoter der solaren Energieversorgung der Satelliten - gegen intensive Widerstände. Was 1945 noch dem Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke vorbehalten war, nämlich drei solar versorgte Raumstationen zu beschreiben, die das weltweite Kommunikations-Netzwerk übernehmen, wurde durch die Initiative von Ziegler und einigen anderen vor allem während des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 Wirklichkeit. Die ersten vier Solarzellen auf dem fussballgrossen Vanguard-Satelliten von 1958 funktionierten im All, die chemischen Batterien fielen aus. Die Probe war bestanden. Was da heute in einer Höhe von 12 bis 80 km über der Erde energietechnisch abläuft, lässt jeden terrestrischen Solarfreak vor Neid erblassen. Nicht nur, dass die solare Energie hier "satellitendeckend" eingeführt ist, sie stellt überdies ein Experimentierlabor für neuartige Techniken dar, die weit über den Einsatz des herkömmlichen Siliziums hinausgehen. Da wurden etwa die beiden knapp 18 Meter langen Solarflügel der Raumsonde "Deep Space 1" (1998) mit Konzentratoren-Solarzellen belegt, bei denen 720 zylindrische Fresnel-Linsen den Wirkungsgrad der 3600 Solarzellen aus unterschiedlichen Gallium-Kombinationen mit einem Wirkungsgrad von über 22 Prozent steigern. All das ist konstruktiv von hoher Ästhetik. Die Satelliten mit ihren miniaturisierten Anlagen gewinnen spielend leicht jeden Vergleich mit unseren irdischen Bautechnologien – und seien diese noch so sehr aus der Computer-Morphologie abgeleitet, weil sie die Energieversorgung an die solare Quelle gebunden haben und dies auch visuell demonstrieren. Hier gilt die Losung: "Form folgt der Energie", die einige Kilometer weiter drunten so schwer umzusetzen ist. (J.Cl.)

Sonnensegel:
Sonnensegler sind technologische Zwitter, an denen Raumfahrtgeschichte, Science Fiction, Gestaltungswille beziehungsweise Design, Poesie, Mathematik und aktuelle Raumfahrt- und Nanotechnologie-forschung beteiligt sind. Sonnensegler offerieren Alternativen für die Weltraum-Erkundung, die, unabhängig von Raketen, nunmehr wirklich das Universum anpeilen, in langen, wenn auch nicht langsamen Zeiträumen. Sonnensegler fliegen mit Licht, besser Lichtdruck den gegenwärtig informationell erreichbaren Räumen weit davon, erweitern sie damit gleichzeitig. Sonnensegler sind Träume und Studienobjekte. Auf den Internetseiten zeigen sie sich den Interessierten als visuelle Attraktionen; in den wissenschaftlichen Abhandlungen navigiert der Laie zwischen ihm unzugänglichen mathematischen Berechnungen, gelegentlich flüchtige Eisschollen an Verständlichkeit aufsuchend, aus denen er sich seine Bilder macht. (J.Cl.)

Strukturelle Biologie:
Untersucht die Signalwege zwischen Zellen, insbesondere am MPI die Schalterfunktion von GTP bindenden Proteinen.

Trigramme:
Entstanden vor ca. 5000 Jahren in China. Aus einer polaren Weltschau von Yin und Yang konstituieren sich die acht Elementare ("Himmel, Erde, Feuer, Wasser, Donner, Wind, Berg, See”) zu einem 3-er Liniencode von 8 (rechnerisch möglichen) Wechselbeziehungen von Yin und Yang. ("archaisch-binäre soft-ware”). Je zwei Trigramme korrespondieren zum Hexagramm. die (rechnerisch möglichen) 64 Hexagramme gründen die 64 funktionalen Kapitel/Modelle des "I Ging”, Buch der Wandlungen. (PerZan)

Zeichengebaren eines Migranten:
Ich bin bemüht, Typen zu schaffen, die mir selbst etwas sagen” (Gavarnis) (Nach Rosset, Clement [1995] dt. Die Wahl der Worte Berlin: Merve 1997)

Unbegreiflichkeiten, sei es der unerwartete Absturz des Computers oder der zufällige Blick auf mathematische Gleichungen sind Herausforderungen, ethische und ästhetische. Ihre Fremdheit irriert gewohnte Vorstellungen und erfordert ein besonderes Verhalten, daß der ständigen Fremden, der Migranten. Eben dies kann man von dem Mathematiker Hermann Weyl lernen, der sich nicht allein auf sein Können stützte, sondern sich orginiell mit für ihn fremden Systemen wie der Philosophie, der Literatur und der Kunst beschäftigte.
Mathematiker sind zwar nicht wie Nomaden auf der Suche nach Wasser oder auf der Flucht vor Fluten, gleichwohl ist ihre Metaphorik an Bewegungen zwischen Wasser und Land, beschränkten abgegrenzten Orten und nicht-absehbaren Weiten orientiert. Möchte man nicht auftauchende Zeichenwälder roden, um auf Kosten der Phänomene einen Überblick zu behaupten , bleibt nur die Möglichkeit, sich am Anderen zu orientieren. Eine korrekte Kenntnis fremder Sprachen, bleibt Migranten verschlossen, aber gleichwohl stottern sie in fremden Idiomen, wohlwissend, dass ihnen nur dies übrig bleibt. Man muss von vorn anfangen, so tun als wüsste man nichts - man weiß ja auch wirklich nichts - und muss versuchen sich zu arrangieren. Man schmiegt sich einem fremden System an, ohne es zu beherrschen, so lernt man es kennen, verändert seine Sichtweisen. Man bringt als Souvenir Bescheidenheit mit und die Neugierde, weitere Zeichenformationen aufzusuchen. Eine Ermunterung bietet der Begriff der offenen Welt, da er gestattet, den Zusammenhang von mathematischen Berechnungen zur Darstellung und Konstruktion von Weltbildern zu formulieren. Dieser Zusammenhang ist durchleuchtenswert, wenn man nach Alternativen zu dem geschlossenen Weltbild sucht, das prominent mit dem Begriff Simulation in den achtziger Jahren transportiert wurde. Der Begriff der offenen Welt wurde von dem Mathematiker und Naturwissenschaftler Hermann Weyl am Beginn der dreissiger Jahre geprägt, er steht zwischen den Programmen Brouwers und Hilberts. Brouwer wird von Deleuze und Guattari in den Tausend Plateaus zum Gewährsmann einer politisch-ästhetischen Metamathematik erhoben. Hilbert bildet dazu den negativen Horizont, da er wissenschafltiches Handeln an Regeln und Kontrolle bindet. Doch so einfach ist die Zuordnung nicht, und Hermann Weyls Philosophie ist gekennzeichnet durch das Spannungsverhältnis zwischen Regeln und freiem Werden, zwischen der Reise in neue Länder und dem Vermessen des Neulands für künftige Apparaturen. Gilt Brouwer als Intuitionist, so wird Hermann Weyl Halbintuitionist genannt, zugleich ist er bekennender Axiomatiker wie sein Lehrer David Hilbert. Von ihm hat er die Aufbruchsstimmung in der Mathematik geerbt, die in Hilberts "Zahlkörperbericht” zum Ausdruck kommt. Hilberts Metaphorik ist an Bildern der Fortbewegung und des Reisens orientiert und deutlich von der Hoffnung getragen, das geregelte Leben, das sich an Fahrplänen orientiert, von den nichtabsehbaren Gedankenbewegungen in neuen Welten trennen zu können. Hilbert schreibt – und Hermann war von seinem "Zahlkörperbericht" begeistert:
"Ich denke mir den Leser wie einen Reisenden: die Hilfssätze sind Haltestellen, die Sätze größere Stationen, im voraus bezeichnet, damit an ihnen das Auffassungsvermögen ausruhen kann. Diejenigen Sätze, die wegen ihrer prinzipiellen Bedeutung an sich Hauptziele sind, oder die als Ausgangspunkte zu weiterem Vordringen in noch unentdecktes Land hervorragend geeignet erscheinen, sind durch kursiven Druck ausgezeichnet” (Hilbert, David (1897) Die Theorie der algebraischen Zahlkörper. In: Jahresbericht der Deutschen Mathematiker-Vereinigung 4., S. 175-546. Zit. nach: Gesammelte Abhandlungen I, Berlin: Springer 1932, S. 67)
Aber Hilberts begeisterten Leser Hermann Weyl sollte dieser Optimismus so unglaubwürdig, dass er an den Grundlagen der Mathematik zweifelt und nach den Augen Hilberts "Gespenster sieht”. Zu Brouwer und Hilbert existieren umfangreiche Monographien, zu Hermann Weyl noch nicht, auch wenn zahlreiche Autoren auf seine Philosophie der Mathematik und Naturwissenschaft verweisen. Die Tatsache, dass Weyl als Gewährsmann für unterschiedliche Positionen zwar erwähnt wird, aber eine Untersuchung seines Verhältnis zur Philosophie noch nicht vorliegt, ist der Anlass, seine Schriften durchzusehen und zu fragen, wie er das Verhältnis von Mathematik zu geschlossenen und offenen Bildern von der Welt bestimmt. Lässt sich bei Weyl eine Umgangsform mit Zeichen und Regeln finden, die Fluchtlinien aus geschlossenen Weltbildern anzeigen? Gelingt dies, so wird deutlich, daß in den zwanziger Jahren Zeichenpraktiken konzipiert wurden, die in der zeitgenössischen ästhetischen Praxis fruchtbar werden. Zwangsläufig ist man mit den fremden Zeichenwelten eines Mathematikers konfrontiert, doch wird man durch die eigene Mühe schätzen lernen, was der Mathematiker Hermann Weyl auf sich genommen hat, wenn er philosophische Begriffe studiert hat, um Philosophen in deren Sprache von mathematischen Entdeckungen zu berichten. (NR)

Zeichenkunde: (Siehe auch Sinnesempfindungen (folgt später)
Weyl trennt scharf inhaltslose Zeichen und Symbole von "Mitteilungszeichen”. Zeichen und Symbole sind Leerformen, die durch ihre Relationen zu anderen Leerformen bestimmt sind. Der materielle Aspekt und die Gestalt sind unwesentlich: Statt von Punkt, Gerade und Ebene kann man auch von Bierkrügen, Tischen und Räumen sprechen, statt der Zahlsymbole 1,2,3 lassen sich auch Striche verwenden /, //, ///. Diese nichtsbezeichnenden Zeichen, ermöglichen frei schwingende Konstruktionen, bleiben jedoch blutleer. Der zweite Teil des Buchs läßt sich als Nachweis der Nützlichkeit dieser blutleeren Zeichen für die Naturwissenschaft lesen. Eine konstruktive Naturwissenschaft vermittelt ein Bild der Natur, das der Anschauung so stark widerspricht, dass die Qualtiät der Anschauung zweifelhaft wird gegenüber einer verlässlichen "theoretischen” Konstruktion. (NR)

Zeichenwelten, weitere:
Der Maschinenpark von Oswald Wiener ist zwar überschaubar und scheint wohlgeordnet wie eine Stahlwarenhandlung zu sein (Zeichenkette, Effektor, ...), führt jedoch bei näherer Betrachtung dazu, dass man sein eigenes Gehirn als verfallenen und vermodernden Vorgarten ansieht, der dem ordnenden Eingriff des Gärtners bedarf, oder man bekommt Lust, sich zu informieren, welche Yoruba-Götter den katholischen Heiligen entsprechen und welche Gewürze und Pflanzen bei diesen Entsprechungen eine formelhafte Rolle spielen. (NR)

*Kürzel: J.Cl.: Jürgen Claus; PerZan: Karsten Panzer. Die so gekennzeichneten Erklärungen wurden freundlicherweise von den Künstlern für diese Vorstudie verfasst. NR: Nils Röller. NR zitiert aus der Philosophie der Mathematik und Naturwissenschaft von Herrmann Weyl (München 1966 EA München 1926)

Audiophilosophie:
1. Fortsetzung der Studie: Khora sampeln

(1) Zur Schriftkultur
Sokrates, derjenige, der nicht schreibt.
(Nietzsche)

Heinz von Foersters Bücher und Aufsätze sind Verschriftlichungen von Vorträgen und Gesprächen. Englisch hat der gebürtige Österreicher gelernt, indem er aufmerksam die Konferenzen der Macy-Foundation verfolgte und im Auftrag von Warren McCulloch in englischer Sprache zusammenfasste. Vilém Flusser gesteht seinem Freund Alex Bloch eine besondere Bedeutung zu. Bloch gleicht dem historischen Sokrates insofern, als Bloch kein schriftlich fixiertes Werk hinterlassen hat und er durch die Briefe Flussers als philosophischer Charakter erinnerungswürdig wird. Flusser bekennt, dass er seine Thesen zur Religion, zur Philosophie der Kommunikation und zur Philosophie überhaupt zuerst Bloch in Gesprächen und in Briefen vorgetragen hat, dieser habe die Gedanken dann kritisch betrachtet und durch diese Kritik konnte Flussers Werk erst werden. Für Flusser ist der Satz typisch: "Ich habe ein Manuskript vorbereitet, werde mich aber nicht daran halten". Mit diesem Satz hat Flusser seine Vorträge eingeleitet, die er dann freihielt, aber zugleich sehr treu gemäss dem ausgearbeiteten Typoskript der Rede aussprach. In dem Satz drückt sich die Spannung zwischen der Fixierung von Gedanken mit Hilfe der Schreibmaschine und der lauten Aussprache des Gedachten vor einem Publikum oder einem Dialogpartner aus. Das Bewusstsein dieser Spannung ist ein historisches Produkt, dass durch die Entwicklung neuer Techniken, wie dem Radio, dem Fernsehen und dem Computer erst als Problem erkennbar geworden ist. Erkannt wird dieses Problem bemerkenswerter Weise von Denkern, die nicht über die Medientechniken ihrer Zeit schreiben, sondern wie Ernst Cassirer oder Martin Buber über die traditionelle Philosophie nachdenken.