06.06.2003

Daniel Richter

von Eckhard Fürlus

Nachdem kurz zuvor in der Galerie Max Hetzler in der Berliner Zimmerstraße 90/91 eine Ausstellung mit frühen Bildern und Zeichnungen seines Lehrers Werner Büttner aus den 80er Jahren eröffnet worden war, zeigt der Neue Berliner Kunstverein nun die erste Einzelausstellung Daniel Richters in einer öffentlichen Institution in Berlin. Wie in der Zimmerstraße, so kann man auch in der Chausseestraße beides sehen: Neben einem Dutzend ausgewählter Gemälde abstrakter und gegenständlicher Malerei sind die heimlichen Stars dieser Schau die zahlreichen Zeichnungen des Künstlers, die sämtlich in einem eigenen Katalog dokumentiert sind.

Der Beginn der künstlerischen Tätigkeit des 1962 geborenen Daniel Richter liegt lange zurück. Einzel- und Gruppenausstelllungen in Berlin, Bremen, Hamburg, München, Wien, Dublin und Los Angeles zeigten seine Arbeiten. 1995 eröffnete die Contemporary Fine Arts, Berlin eine Daniel Richter Ausstellung mit dem Titel 'Neue Bilder'. Es folgten Einzelausstellungen mit Titeln wie '17 Jahre Nasenbluten', 'Organisierte Kriminalität', 'Fool On A Hill', 'Die Frau; Rock'n'Roll; Tod - Nein Danke' oder 'Billard um halb Zehn' und 'Grünspan', die belegen, dass Daniel Richter seine Auseinandersetzung mit dem klassischen Medium Malerei konsequent fortgesetzt hat. Daniel Richter lebt heute in Berlin und Hamburg.

Seit Mitte der 90er Jahre ist in den großformatigen Arbeiten Richters eine Entwicklung von einer klassischen Bildersprache abstrakter Formen hin zu einer figürlichen Bildsprache auszumachen. Die in der Ausstellung gezeigten zwölf Bilder versuchen deutlich zu machen, dass es in Richters Schaffen keine abrupte Wende von der Abstraktion zur Figuration gegeben hat; die neue Figürlichkeit, die in den jüngeren Bildern seit etwa 2000 auszumachen ist, stellt sich bei genauerem Hinsehen als eine bewusste Erweiterung und Ausdehnung seines malerischen Prinzips dar mit einer Fülle grotesker Motive sowie zeitgeschichtliche Themen und kunsthistorische Zitate.

  • Daniel Richter, ©
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Die großformatigen Ölbilder werden um 60 Arbeiten auf Papier erweitert. 'Sie bieten' so heißt es in einem Text zu dieser Ausstellung, 'einen neuen Blick auf die Arbeitsweise Richters, weil sie deren Bausteine offen legen. Sie sind trotz ihrer autonomen Form- und Bildfindungen in erster Linie skizzierte Ideenträger zu den Gemälden und dienen dazu, die spontane Niederschrift des unmittelbaren Ausdrucks in die komplexeren, ausgereiften Kompositionen der Großformate zu übertragen.' Alle Zeichnungen stammen aus dem Jahr 2003. Die Zeichnungen heißen 'Gott', 'Szenerie', 'Flotter Einer', 'Flotter Dreier', 'Waldhunde', 'Figuren', 'Katzenberg', 'Katyn', 'HA' und 'Jump' oder auch nur 'B'. Manchmal gibt es eine aus den Wörtern Pimp - Zuhälter - und Imperialismus zusammengesetzte Wortspielerei wie 'Pimperialismus'; des öfteren heißt eine Zeichnung 'Susa' oder 'Susi' und ist nach der Bibelgeschichte Susanna im Bade benannt.

Der Titel der Ausstellung ist weniger ein Hinweis auf eine inhaltliche Verbindung zwischen Text (Rainald Goetz) und Bild (Daniel Richter), sondern ein Hinweis auf die Arbeitsweise des Künstlers Daniel Richter und des Schriftstellers Rainald Goetz; beide bedienen sich der Methode des Samplings und der Überlagerung, der Zerlegung und der Zusammenfügung - Arragieren, Collagieren und Dispergieren als Methode.

Zur Ausstellung, die bis zum 22. Juni 2003 gezeigt wird, ist ein von Daniel Richter konzipiertes und gestaltetes Katalogbuch erschienen. Es kostet 28,- Euro und enthält neben einem sehr gescheiten Text von Britta Schmitz in englischer und deutscher Sprache alle Zeichnungen des Künstlers.