08.11.2003

KunstFilmBiennale

von Christian Meyer

Kunst im Kino

Nach einem erfolgreichen „Vorspiel“ Ende letzten Jahres fand vom 26.Oktober bis zum 2. November 2003 in Köln die erste reguläre KunstFilmBiennale mit internationalem Wettbewerb statt. Die Schnittstelle zwischen Bildender Kunst und Film in Form von Künstlerfilm, Kunst im Film und Film über Kunst war Thema des einwöchigen Film-Festivals, auf dem rund 180 Filme gezeigt wurden.

Zwischen internationalem Anspruch...

„Die Grundidee der KunstFilmBiennale ist, dem Kölner Publikum und auch der nationalen und internationalen Kunstszene deutlich zu machen, wie stark und intensiv derzeit die Beziehungen zwischen Bildender Kunst und Film sind... Köln hat ein Selbstverständnis als Kunst- und als Medienstadt, und ich glaube dass gerade im Bereich Künstlerfilm dieses Selbstverständnis am besten illustriert und aktualisiert werden kann“. So umschrieb Heinz Peter Schwerfel, Künstlerischer Leiter der KunstFilmBiennale Köln, das Konzept des Filmfestivals. Nun ist es kein Geheimnis mehr, das aller Orten am kulturellen Angebot der Stadt gespart wird – gleichzeitig aber die Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 auf dem Tisch liegt: ein heikler Spagat, mit dem schon reichlich Spott geerntet wurde! Es ist also ganz klug, dass die Stadt jetzt eine Veranstaltung unterstützt (zwar nicht finanziell – Geld ist und bleibt keins da – aber „logistisch“), die nicht nur regional, sondern mit internationalem Anspruch neue Akzente setzen kann und einen Bereich beleuchtet, der – zwischen den Stühlen im Kino und Museum sitzend – oft zu kurz kommt. Und die Zeichen stehen gut, dass das Projekt Bestand hat. Schwerfel: „Zumindest die nächsten drei Ausgaben der KunstFilmBiennale, also bis 2006, sind finanziell gesichert.“

Das Programm der KunstFilmBiennale beleuchtete die Schnittstelle Kunst/Kino aus verschiedenen Blickwinkeln: Im Mittelpunkt stand der Internationale Wettbewerb, der 60 aktuelle Filme aus den Bereichen des Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilms zeigte. Darunter waren Kunstfilme von bekannten Künstlerinnen wie Vanessa Beecroft und Sharon Lockhart, es fanden sich aber mit „Teknolust“ von Lynn Hershman Leeson oder Peter Greenaways neuem Film „The Tulse Luper Suitcases Part1“, einem vor Digitaleffekten überbordenden Bilderrausch, auch Kinoproduktion. Ältere Künstler- und Experimentalfilme wurden in gesonderten, historischen Programmschienen beleuchtet: so gab es neben einer Retrospektive zum Fotokünstler, Filmemacher und Schriftsteller Alain Fleischer bei einem „Tribute to Stan Brakhage“, einem Pionier des „mythologischen“ Experimentalfilms, neben seinem Klassiker „Dog Star Man“ aus den 60er Jahren bislang kaum gezeigte Raritäten zu sehen.

... und lokalen Bezügen

Auch für die Reihe „XSCREEN – Undergroundkino in Köln“, von den renommierten Kölner Experimentalfilmern Birgit und Wilhelm Hein kuratiert, hatte man einige seltene Filmdokumente ausgegraben. Im Kölnischen Kunstverein ging es bei Filmen von Aktionisten der 60er Jahre wie Kurt Kren, Otto Mühl, Peter Weibel, Birgit und Wilhelm Hein oder Paul Sharits Expanded Cinema Aktion grobschlächtiger zur Sache. Nicht umsonst lösten die Aktionen seinerzeit Skandale aus und beschäftigten auch die Staatsanwaltschaft. Ebenfalls aus Köln kommt die international bekannte Künstlerin Rosemarie Trockel, die in einer ganz persönlichen Auswahl Filme zeigte, die sie in ihrer Arbeit beeinflusst hat. Unter anderem konnte man hier handbemalte Filme des Briten Len Lye aus den 30er Jahren sehen, die Vorführung von Andy Warhols Dracula belegte Trockels Freude an Trash- und Splattereffekten. Dass Trockel andererseits mit dem Verein „Das Loch e.V.“ zur Zeit aktiv gegen die desaströse Kulturpolitik der Stadt angeht, ist eine amüsante Fußnote.

Wie der Mythos des Malers auf der Kinoleinwand konstruiert oder dekonstruiert wird, zeigte eine weitere Programmsparte mit Spielfilmen. Hier wurde unter anderem der Spielfilm „Pollock“ von Ed Harris gezeigt, und der Dokumentarfilm „Dieter Roth“ von Edith Jud erlebte hier die Deutschlandpremiere (Bundesstart: 20.11.). Ebenfalls spannend, aber etwas schlichter gab sich die Reihe „Kunst im Fernsehen“, die neue WDR-Produktionen zeigte. Hier konnte man beispielsweise noch mal den wunderbaren südafrikanischen 'Zeich(n)entrickfilmer' William Kentridge bei seiner Arbeit zu einer seiner 'evolutionistischen' Zeichnungen beobachten. Spannung versprach auch ein Portrait über Matthew Barney und dessen 7 stündiges, bildgewaltiges und oft auch drastisches Filmwerk „Cremaster“, mit dem er ein einzigartiges, monumentales Filmprojekt erschaffen hat, das genau an der Schnittstelle, die die KunstfilmBiennale zum Thema hat – zwischen Spielfilm, Kunstfilm und dokumentierter Kunstaktion – angesiedelt ist.

Bei der abschließenden Preisverleihung erhielt der mit seiner Hauptdarstellerin Vanessa Myrie angereiste Isaac Julien („Frantz Fanon, Black Skin White Mask“) für seinen Beitrag „Baltimore“ den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis. Julien liefert mit „Baltimore“ eine assoziative Hommage an das Blaxploitation Kino, mit deutlichen Referenzen zu Melvin van Peebles wütenden Klassiker „Sweet Sweetback’s Baadasssss Song“(1971). Der inzwischen in Würde gealterte Van Peeples streift in „Baltimore“ durchs Wachsfigurenkabinett berühmter Schwarzer und trifft dort auf sein Ebenbild.



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KunstFilmBiennale Köln wird veranstaltet von der SK Stiftung Kultur und der Stadt Köln in Kooperation mit der Imhoff Stiftung und der Kunststiftung NRW.

Weitere Partner: Museum Ludwig, Kölnischer Kunstverein, Art Cologne, Kunsthochschule für Medien Köln.

KunstFilmBiennale Köln ist Mitglied in der Kölner Initiative KINOaktiv und in der European Coordination of Film Festivals.