03.09.2004

Durch Pforten der Wahrnehmung

von Eckhard Fürlus

Das Kunstmuseum Wolfsburg blickt zurück auf die ersten zehn Jahre

"Ein Museum kann nur funktionieren mit seinen Museumsbesuchern. Ein Kunstwerk ohne Betrachter ist kein Kunstwerk."
Gijs van Tuyl

In diesem Jahr feiert das Kunstmuseum Wolfsburg seinen zehnten Geburtstag. Wolfsburg ist singulär. Zwischen Los Angeles und Shanghai kennt man die Stadt nicht mehr nur wegen der VW Werke, sondern auch wegen des Museums mit dem Wal, wegen des Hauses für internationale Avantgardekunst. Dazu hat nicht zuletzt die Kooperation mit anderen Ausstellungshäusern in Europa und in Amerika beigetragen. Das Kunstmuseum Wolfsburg ist eine private Institution. In Amerika ist so etwas üblich; in Deutschland ist das etwas Besonderes. Zu den Vorteilen, die der Standort Wolfsburg bietet, rechnet Gijs van Tuyl, scheidender Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, die durch die Topographie bedingte Konzentration auf die Arbeit sowie die Tatsache, dass es hier keine Szene und keine Cliquen gibt.

Das Kunstmuseum, so hat es Gijs van Tuyl einmal gesagt, sollte das Herz der polis werden, ein Ort für Fantasie und Alltäglichkeit, eher eine Schaubühne als ein Tempel. Drei Vorgaben, formuliert von Dr. Carl H. Hahn, dem Gründer des Museums, waren maßgeblich bei der Konzeption des Museums: Internationalität, Spitzenqualität und Zukunftsorientierung. So hatte denn auch das Kuratorium der Kunststiftung resp. der Volkswagenstiftung immer die nötige Freiheit gelassen sowohl hinsichtlich der Programmgestaltung und der Auswahl der Medien wie auch bezüglich des Sammlungsaufbaus.

  • Olafur Elisasson, ©
  • Olafur Elisasson, ©
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Besser viel von wenigen als wenig von allen zeigen. So lautete eine Maxime van Tuyls. Kern seiner Ausstellungstätigkeit war und ist der Gedanke der Kommunikation. "Ein Museum", sagt van Tuyl, "kann nur funktionieren mit seinen Museumsbesuchern. Ein Kunstwerk ohne Betrachter ist kein Kunstwerk." und unterstreicht damit die Akzeptanz des Museums in der Bevölkerung. An den Eröffnungsabenden kommen noch jedes Mal etwa 3000 Besucher in das Kunstmuseum, das ohne die Kunststiftung Volkswagen wohl undenkbar wäre.

75 Ausstellungen und 269 Events zählte man Ende Mai für die zurückliegenden zehn Jahre. Ausstellungen von Fernand Léger, Jean-Marc Bustamante, Man Ray, Nam June Paik, Wolfgang Tillmans, Jörg Immendorff, Jeff Wall, Bruce Nauman, Frantisek Kupka, Bart van der Leck, Lawrence Weiner und vielen anderen gehören dazu. Ausstellungen wie German Open - Gegenwartskunst in Deutschland, Junge Britische Kunst. Dazu gehören Tage der Offenen Tür, Filmvorführungen, Konzerte, Modenschauen, Podiumsdiskussionen, Lesungen und Symposien, ferner Künstlergespräche, Seminare, Vorträge, Schulprojekte, Workshops und Führungen.

Ende Mai eröffnete Gijs van Tuyl die Ausstellung "Your Lighthouse" mit Arbeiten des 1967 in Dänemark geborenen, in Berlin lebenden isländischen Künstlers Olafur Elisasson aus den Jahren 1991 bis 2004. Menschliche Wahrnehmung im technologischen Zeitalter ist das Thema dieser Ausstellung, die sich auf das Phänomen Licht konzentriert und lediglich einen Themenbereich aus dem Oeuvre Eliassons zeigt. Dies, so van Tuyl, sei keine Retrospektive, doch ergänzten sich alle dreizehn in dieser Ausstellung versammelten Arbeiten - Scheinwerferarbeiten, Projektionen, Arbeiten mit Spiegeln und Farbilfern, Nebel und optischen Linsen - und träten mit einander in einen Dialog, in den auch das Publikum mit einbezogen wird. Dies wird deutlich akzentuiert durch den Titel der Ausstellung "Your Lighthouse" wie durch die Titel der Arbeiten wie "Your windless arrangement", "Your sun machine", "Your strange certainty still kept" und "Your compound view". Das Verhältnis von seinen Arbeiten zum Publikum hat Eliasson mit den Worten beschrieben: "Das Publikum ist das Werk, da alles andere sich stets verändert." Einige der ausgestellten Arbeiten Eliassons sind im Anhang zu diesem Artikel zu sehen.