31.03.2005

Vom romantischen Idealismus zum Konzeptualismus

von Eckhard Fürlus

Peter Cornelius’ Zyklus „Die Götter Griechenlands“ in der Alten Nationalgalerie

Seinen Zeitgenossen galt der Maler und Zeichner Peter Cornelius (1783-1867) als „größter Künstler der Epoche“ und als ein „Goethe unter den Malern“. Heute ist er nahezu vergessen. Mit der Ausstellung „Peter Cornelius – Die Götter Griechenlands“ in der Alten Nationalgalerie bietet sich die Gelegenheit, diese bedeutende Künstlerpersönlichkeit anhand eines seiner Hauptwerke neu zu entdecken.

Von 1819 bis 1830 entstanden die 48 Kartons, die Peter Cornelius im Auftrag Ludwigs I. von Bayern für die Freskendekoration der Glyptothek in München erstellte. 42 dieser Kartons sind nun in der Alten Nationalgalerie zu sehen, just an dem Ort ihrer ersten musealen Präsentation. Als Teil der ständigen Sammlung wurden die Glyptothek-Kartons nach dem Tod des Künstlers in den beiden Hauptsälen des Mittelgeschosses der 1876 eröffneten Nationalgalerie präsentiert. Für Peter Cornelius besaßen die bis zu 4,30 x 8,30 Meter großen, mit Kohle, Feder und Bleistift ausgeführten Kartons den Rang autonomer Kunstwerke. Die auf ihnen dargestellten Szenen thematisieren die Geschichten von Liebe und Zwietracht unter den griechischen Göttern, den trojanischen Krieg und die „Ilias“.

  • Peter Cornelius, ©
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Peter Cornelius wurde am 6. März 1783 in Düsseldorf geboren. Von 1798 bis 1805 studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie und zog 1809 nach Frankfurt am Main. Mit den Illustrationen zu den Nibelungen und zu „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe gelang ihm der Durchbruch als Künstler. Eine Italienreise führte ihn 1811 nach Rom, wo er sich den „Lukasbrüdern“ um die Maler Friedrich Overbeck und Franz Pforr anschloß. 1819 holte ihn Kronprinzen Ludwig nach München. Dort wurde er 1825 Direktor der Akademie. Nach dem Bruch mit Ludwig I. wurde er 1841 von König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin berufen. Peter Cornelius war Mitglied vieler bedeutender Kunstakademien in Europa. Als er 1867 starb, gehörte er zu den am meisten geschätzten und einflußreichsten deutschen Künstlern seiner Zeit.

Zu Peter Cornelius’ Vorbildern gehörten Raffael und Michelangelo; die von ihnen praktizierte monumentale Freskomalerei wurde auch seine bevorzugte Technik, wobei die Idee des Kunstwerks, nicht die Durchführung im Vordergrund seines künstlerischen Schaffens stand. So kam den Arbeiten an den Entwürfen und an den Kartons eine ganz besondere Rolle zu; die Ausführung der Fresken blieb den Mitarbeitern überlassen. Die Zeichnung als Formulierung der Idee war für Cornelius, dem Konzeptkünstler avant la lettre, das Substantielle, die farbliche Ausgestaltung lediglich ein Akzidenz.

Die in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kunst München entstandene Ausstellung Peter Cornelius – Die Götter Griechenlands. Kartons für die Fresken der Glyptothek in München aus der Nationalgalerie und dem Kupferstichkabinett Berlin“ ist noch bis zum 5. Juni 2005 in der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel in Berlin zu sehen. Der Katalog zu dieser Ausstellung ist ein großformatiges, gebundenes Buch. Neben den vielen großartig reproduzierten Abbildungen der Kartons enthält es zahlreiche von Durs Grünbein ausgesuchte und in den Zusammenhang gestellte, lyrische Texte von Sappho, Homer, Aischylos und Sophokles über Friedrich Schiller, Heinrich von Kleist, Georg Trakl und Rudolf Borchardt bis zu Paul Celan und Heiner Müller.

Weitere Informationen zu dieser Ausstellung und zu den museumspädagogischen Angeboten lassen sich im Internet abrufen unter www.smb.museum.