08.07.2005

Generation X

von Eckhard Fürlus

Erschreckend aktuell – Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt Arbeiten aus ihrer Sammlung

"Generation X: Junge Kunst aus der Sammlung" – In Anlehnung an den Titel des Episodenromans "Generation X" des Kanadiers Douglas Coupland ist dies der Name der aktuellen Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, die am 8. Juli 2005 eröffnet wurde.

Sammeln und Ausstellen – das sind die beiden zentralen Aufgaben in der Konzeption des Kunstmuseums Wolfsburg seit seiner Gründung im Jahr 1994. So hat es Präsentationen mit Arbeiten aus den hauseigenen Sammlungsbeständen zusammen mit Leihgaben der Künstler seit ihrem nunmehr elfjährigen Bestehen immer wieder gegeben. Diese Ausstellungsreihen hießen "Tuning up" und "Update". Inzwischen sieht sich das Kunstmuseum Wolfsburg in der Lage, aus seinem reichhaltigen Fundus selbst themenspezifische Ausstellungen zu konzipieren. "Generation X: Junge Kunst aus der Sammlung" ist eine Zusammenschau von etwa 70 Werken von vierzehn Künstlern, entstanden in der Zeit zwischen 1988 und 2004.

In seinem Debutroman "Generation X – Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur" hatte Douglas Coupland 1991 die erste amerikanische Absteigergeneration portraitiert. Bohemiens der Postmoderne. Diese Ausstellung versteht sich nicht als Illustration eines Romans. Sie präsentiert lauter Aufsteiger der internationalen Kunstszene, geboren zwischen 1960 und 1974. Die Arbeiten aus der Sammlung des Hauses wurden nur um wenige Leihgaben ergänzt und stammen von Künstlern wie Franz Ackermann, Richard Billingham, Torben Giehler, Eberhard Havekost, Damien Hirst, Gary Hume, Christian Jankowski, Michel Majerus, Sarah Morris, Manfred Pernice, Elizabeth Peyton, Daniel Pflumm, Neo Rauch und Thobias Rehberger.

  • Generation X, ©
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Betritt man den ersten Raum dieser Ausstellung, sieht man sich mit einem Werk von Manfred Pernice mit dem Titel "1a – Dosenfeld 00" aus dem Jahr 2000 konfrontiert, das den spröden Charme einer Baustelle verströmt und deren Sinn sich nicht unmittelbar aus den zur Schau gestellten Gegenständen erschließt. Ein in diese Installation integriertes Video weist nach Berlin.

"What looks good today may not look good tomorrow" – Das Ölgemälde des luxemburgischen Malers Michel Majerus, der vor vier Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam und in diesem Jahr durch Retrospektivausstellungen in Amsterdam, Graz, Hamburg und Hannover geehrt wird, leitet über in den zweiten Raum. Hier sieht man einige überwiegend kleinformatige Ölbilder der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton. Ihre Bilder thematisieren Freunde, Künstler und Musiker wie David Hockney und Evan Dando oder sind Bearbeitungen von aus Magazinen ausgeschnittenen Fotos. Wie alte Bekannte wirken mittlerweile die Fotografien von Richard Billingham, auf denen er seine Eltern in ihrem Elend und in ihrer Tristesse dokumentarisch festgehalten und zur Schau gestellt hat. Von Sarah Morris ist eines ihrer Lackrasterbilder zu sehen sowie die Filmarbeit "AM/PM" aus dem Jahr 1999 zu sehen, die sich der Stadt Las Vegas widmet.

Torben Giehler ist mit zwei Acrylbildern – "Sex Beat" von 2003 und "Nomenklatura" von 2004 – in dieser Ausstellung präsent. "Sex Beat" ist der Titel eines Buches von Diedrich Diederichsen, der Buchtitel wiederum ist die Adaption eines Songs von Jeffrey Lee Pierce von der Gruppe Gun Club aus den frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Neo Rauch, von Eduard Beaucamp unlängst als weltweit umworbener Exponent der dritten Generation der Leipziger Schule bezeichnet und wegen der in seiner Bildsprache enthaltenen seelischen Intensität und träumerischen Erinnerung als "der bedeutendste jüngere Leipziger Maler" apostrophiert, ist auf dieser Ausstellung mit einigen großformatigen Arbeiten vertreten. Eberhard Havekost befaßt sich in seinen Bildern mit menschlicher Wahrnehmung von alltäglichen Dingen und Nebensächlichkeiten als Ergebnis flüchtigen, oberflächlichen oder auch unbewußten Sehens. Seine Gemälde basieren auf Schnappschüssen, die er selbst anfertigt und am Computer bearbeitet. Das zentrale Erfahrungsmoment in den Bildern von Franz Ackermann, einem exponierten Vertreter der zeitgenössischen Malerei, sind seine Reisen und die damit verbundene Wahrnehmung der Außenwelt, die er in seiner Werkgruppe der "Mental Maps" behandelt.

Was die Ausstellung "Generation X – Junge Kunst aus der Sammlung" schließlich doch mit dem Roman "Generation X – Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur" von Douglas Coupland verbindet, ist die Thematisierung und phantasievolle Auseinandersetzung mit dem Lebensgefühl einer ganzen Generation.



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Die Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg ist noch bis zum 16. Oktober zu sehen. Ein vom Kustos der Sammlung, Dr. Holger Broeker, bearbeiteter Katalog "Gesammelte Werke I. Zeitgenössische Kunst seit 1968. Erwerbungen 1993 bis 1999" ist im Hatje Cantz Verlag erschienen. Sämtliche Werke der Sammlung findet man auf der Website des Kunstmuseums Wolfsburg unter www.kunstmuseum-wolfsburg.de