08.12.2005

Harmonie. Bilder 1998-2005.

von Eckhard Fürlus

Neue Arbeiten von Eberhard Havekost im Kunstmuseum Wolfsburg

Der Künstler ist anwesend, doch weil er – wie Dr. Thomas Köhler erläuternd formuliert, die frontale Situation nicht schätzt, ist er während der Pressekonferenz im Kunstmuseum Wolfsburg nicht auf einem der Podiumsplätze zu sehen. Später, bei der Begehung der Ausstellung „Eberhard Havekost: Harmonie. Bilder/Paintings 1998-2005“ mit den vielen neuen Arbeiten, ist Eberhard Havekost im Gespräch mit Fernseh- und Presseleuten; er ist sehr freundlich und steht den Journalisten gern Rede und Antwort. Es ist die erste umfangreiche Einzelpräsentation mit Werken des Künstlers Eberhard Havekost in einem Museum.

  • Augen, 2003,
    Eberhard Havekost,
    230 x 120 cm, Privatsammlung Bern / private collection, Bern

Dem „Vorwort und Dank“ im zweisprachigen Katalog ist ein Zitat von Marshall McLuhan vorangestellt, das zugespitzt formuliert, worum es in dieser Ausstellung geht: „Die Aufgabe der Kunst“, schreibt Marshall McLuhan, „ist nicht, Erfahrungsmomente zu lagern, sondern Umgebungen zu erforschen, die sonst unsichtbar sind.“ Dies gilt für die Bilder von Eberhard Havekost ganz allgemein, aber im besonderen Maße trifft das Zitat auf die in den USA entstandenen Bildfolgen zu.

Die aktuelle Ausstellung zeigt rund hundert Werke von Eberhard Havekost aus der Zeit von 1998 bis heute und stellt sie räumlich und konzeptuell in einen Zusammenhang mit der Ausstellung „Generation X: Junge Kunst aus der Sammlung“. Benutze Eberhard Havekost Mitte der 90er Jahre für seine Arbeiten noch Bildvorlagen aus Fernsehfilmen und Zeitschriften, sind es bei den in den vergangenen Jahren mehr und mehr eigene Fotografien, die Grundlage wurden für seine Bilder und Serien. Anders als bei Gerhard Richter, dem es immer auch um eine malereiskeptische Aufwertung des fotografischen Sujets geht, steht bei Havekost der medienskeptische Umgang mit der Fotografie als Dokument im Vordergrund. Die von ihm verwendeten Motive stammen sowohl aus dem privaten als auch aus dem öffentlichen Bereich; Havekost malt Portraits, Fassaden, Autos, Wohnwagen, Flugzeuge, Tiere, Pflanzen und Landschaften.

Eberhard Havekost wurde 1967 in Dresden geboren. Bereits 2003 war er mit mehreren Arbeiten in der Ausstellung „Painting Picutres: Malerei und Medien im digitalen Zeitalter“ im Kunstmuseum Wolfsburg vertreten. Der Großteil der nun gezeigten Bilder stammt aus den letzten fünf Jahren, und Annelie Lütgens, die Kuratorin der Ausstellung, betont, daß das frühe Werk von Havekost in dieser Ausstellung nicht das Frühwerk ist. Die menschliche Wahrnehmung von Alltag – Angst vor der Zukunft, Unsicherheit und Zweifel – und die Auseinandersetzung mit dem Sehen in all seinen Facetten sind die Themen Eberhard Havekosts.

  • Eberhard Havekost, ©
  • Eberhard Havekost, ©
  • Eberhard Havekost, ©
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Eberhard Havekost bearbeitet die von ihm gemachten Schnappschüsse am Computer mit einem Bildprogramm. Dann greift er einen Ausschnitt heraus und überträgt diesen auf die Leinwand. Es handelt sich bei Havekosts Arbeiten nicht um Fotorealismus, sondern um eine Art Photoshop-Realismus. Auch sieht Eberhard Havekost seine Arbeiten nicht als Gemälde und verwahrt sich sogar gegen diesen Ausdruck, sondern er möchte sie als Bilder betrachtet wissen. Bezüge zu anderen Künstlern – ein Vergleich mit Werken von Alex Katz läßt sich kaum unterdrücken – schließt Havekost aus.

Die beiden Bilder mit den Titeln „Anfang“ und „Ende“ sind wie ein großer Teil der hier gezeigten Arbeiten 2005 entstanden und markieren Ausgangspunkt und Endpunkt der Ausstellung. Zwölf der in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten sind während eines USA Aufenthalts entstanden. Manche der in dieser Ausstellung gezeigten Werke kommen von privaten Sammlern. Von entscheidender Bedeutung waren für Eberhard Havekost die Begegnungen mit den Städten Los Angeles und San Francisco sowie seine Aufenthalte in den Nationalparks in den USA. Die sechsteilige Serie „Destiny“, auf der Autowracks zu sehen sind, ist wie auch die Serie „deep impact“ in Wüstengegenden entstanden; beide Serien thematisieren den Aspekt der Vergänglichkeit. Orte und Situationen für seine Arbeiten findet Havekost eher zufällig. Seine Bilder, sagt der Künstler Eberhard Havekost, seien nicht geplant; sie entstünden nicht von langer Hand.



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Die Ausstellung „Eberhard Havekost: Harmonie. Bilder/Paintings 1998-2005“ wird noch bis zum 19. Februar 2006 im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen sein; sie wird anschließend im Stedelijk Museum in Amsterdam gezeigt.

Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog (dt./engl.) im Verlag Hatje Cantz erschienen mit einem Vorwort von Thomas Köhler und Texten von Susanne Köhler, Annelie Lütgens, und Ludwig Seyfarth. Der Katalog hat 128 Seiten, enthält über 100 Farbabbildungen und kostet im Museumsshop im Kunstmuseum Wolfsburg 24,- Euro.