Michael Hartmann
10.09.2002

Der Mythos von den Leistungseliten

Autor/en: Michael Hartmann

Asinnliche Wahrheiten

von Werner Fuchs

Was wir schon immer ahnten, wird hier mit empirischen Studien wissenschaftlich belegt: Nicht die individuelle Leistung zählt für den Aufstieg, sondern die soziale Herkunft. Eine Generation nach dem 68er-Aufbruch sind wir noch weit von der offenen Gesellschaft entfernt. Die Vetternwirtschaft kostet Unsummen und verhindert, dass Spitzenposten wirklich von Spitzenleuten eingenommen werden. Der deutsche Soziologieprofessor untersucht Berufsverläufe von Ingenieuren, Juristen und Wirtschaftswissenschaftlern und zeigt auf, dass die grössten Kuchenstücke nach wie vor den Promovierten zustehen, die ausser befriedigenden Zeugnissen auch den richtigen Stammbaum vorweisen können. Dass dieser triste Befund auch mich überraschte, lässt sich wohl damit erklären, dass die wenigen Ausnahmen von den Medien gerne herumgereicht werden und Joschka Fischer inzwischen zum Liebling der Nation aufgestiegen ist. Wer seine HR-Abteilungen aufschrecken will, findet mit Hartmanns Untersuchungen das notwendige Pulver. Der wissenschaftliche Anspruch sorgt zwar für Trockenheit, wird aber bei Dissertationsverächtern kaum zünden. Schade, dass Universitäres im deutschsprachigen Raum noch immer asinnlich präsentiert wird. Eine sinnlichere Aufmachung könnte den Leserkreis erweitern.