Neues Testament
12.09.2006

Begleiter durch das Neue Testament

Autor/en: Stefan Schreiber

Ein sicherer und sympathischer Begleiter

von Werner Fuchs

Theologen fühlen sich dem Wort verpflichtet. Und dem Geist. Aber ganz offensichtlich weniger der Gestaltung. Darin ist auch der Professor für Zeit- und Religionsgeschichte in Münster keine Ausnahme. Sonst würde er auf das typisch gelbliche Papier, das Word-Version-Null-Layout, die neckischen Paragrafen und das altertümliche Titelbild verzichten. Aber da wir das kennen, nehmen wir es ihm und dem Verlag nicht übel. Zumal sie in den Rubriken Wort und Geist so punkten, dass der volle Sternenhimmel verdient ist.

Das Buch richtet sich weniger an Theologen, durch deren Adern exegetisches Blut fliesst, sondern an alle Bibelinteressierten ohne fundamentalistische Bekehrungsabsichten. Daher werden in der Einleitung erst die Lesebrillen geschliffen und gerichtet. Schliesslich gibt es noch immer Bibelvertreter, die uns weismachen wollen, es gäbe nur eine richtige Art das Buch der Bücher zu lesen. Danach öffnet der Autor die historischen und geografischen Räume, gibt mögliche Deutungen von Jesus, erläutert den Begriff des Evangeliums, stellt die synoptische Frage und weist den Weg zu den Quellen. Die nächsten drei grossen Kapitel sind überschrieben mit: Die Schriften des Neuen Testaments, Jesus von Nazaret, Paulus aus Tarsus. Im Anhang finden wir noch interessante Ausführungen über die Entstehung des Kanons und die Textüberliefung. Selbstverständlich gibt es auch ein Literaturverzeichnis.

Gefallen hat mir an diesem Bibel-Begleiter, dass Stefan Schreiber eine eigene Ordnung schafft, die sich an den Fragen eines Bibellesers orientiert, der kein mehrjähriges Theologiestudium hinter oder vor sich hat. In verständlicher Sprache gibt er mögliche Antworten und Interpretationen, die verschiedene Sichtweisen berücksichtigen, ohne in seichte Beliebigkeit abzurutschen. Illustrationen, Karten, Gegenüberstellungen und Zusammenfassungen erleichtern es dem Leser, den Gedankengängen des Autors zu folgen.

Mein Fazit: Stefan Schreiber nimmt den Leser auf Entdeckungsreisen mit, ohne ihn an ein bestimmtes Ziel zu zerren. Zu jeder der 27 kanonischen Schriften erzählt der Autor so viel Interessantes, dass sich einige Leser fragen werden, weshalb man ihnen das nicht schon früher mitteilte. Ein Begleiter, den ich gerne weiterempfehle.