PeterLicht
11.10.2001

PeterLicht

von Christian Meyer

Mit Pop gegen Pop

Wer, bitte schön, ist PeterLicht? Ganz einfach: PeterLicht ist Meinrad Jungblut! Und Meinrad Jungblut ist der mit dem Sonnendeck! Kramt nur mal in Euren Erinnerungen an den letzten Sommer, da findet sich bestimmt ein Eintrag unter 'S’. Sein uns durch diesen letzten Sommer begleitender Electropop-Hit begrüßt uns auch jetzt noch auf diversen Anrufbeantwortern. In den Wintermonaten klang die Nachricht 'wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck’ allerdings nicht gerade glaubwürdig. Jetzt, da wir ihr dank Sommer wieder glauben schenken können, kommt das Sonnendeck erneut über uns und wird ein großer Hit! Muß!

Auf der gerade erscheinenden CD 'Lieder’ gibt es die 6 Stücke der ursprünglichen Meinrad Jungblut Vinylplatte '6 Lieder’, die im letzten Sommer bei dem kleinen Label Betrug erschienen ist. Dazu gesellen sich acht neue Stücke von Meinrad Jungblut, also Peter Licht, die aus der selben Zeit wie die 6 Lieder stammen. So bleibt auch jetzt sowohl die produktionstechnische wie auch die musikalische Bandbreite recht groß. Von perfekt produzierten Popsongs die an 'Echt’ erinnern, uns im Text aber gleichzeitig vor der Popkultur warnen, über Donovan-Folklore mit Akkustik-Gitarre, 'Lalala-Schubidu’ und 80er-Old-School-Rhythmus-Box zu Lowest-Fidelty Diktiergerät-Aufnahmen. Eine gewisse Einbettung in aktuelle Entwicklungen elektronischer Musik schimmert manchmal durch ('Ihr lieben 68er’, 'Fuzzipelz’), ganz sicher sein kann man sich da aber nicht. Ein sonniges Schlagergemüt, NDW-Obskurität und anarchistischer Humor sind ebenso deutliche Zutaten für seine populären Lieder.

Der charmante Underground-Hit und seine 13 Begleiter hätten eine stärkere Präsenz in den Medien auf jeden Fall verdient. Möglich scheint das jetzt durch die große Plattenfirma im Hintergrund zu sein. Erste Anzeichen hierfür sind der verstärkte Medienrummel inklusive niedlichem Trash-Video des Produzententeams Datenstrudel. Hat das vielleicht auch inhaltliche Konsequenzen? Man könnte sich ja denken, dass so eine Firma erst mal gerne noch ein paar Sonnendecks mehr hätte...

PeterLicht: Klar, aber die fanden auch alles andere lustig. Die mochten das gesamte Konzept. Von denen gibt es keinen Druck. Der Deal ist so: ich mache Platten, und sie veröffentlichen die, wenn ihnen der gesamte Cluster gefällt. Wenn nicht, dann wird nichts davon veröffentlicht.

Christian Meyer: Netter junger Mann am anderen Ende der Leitung, denke ich nicht nur wegen seines Sorglosigkeit suggerierenden Namens ("Peter wie Peter Pan, Peter Alexander oder Peter W. Adorno") und seiner unbekümmerten Auskunftfreudigkeit, sondern auch, weil letzteres zutrifft, obwohl unser Gespräch die Promotionweisheit, dass der Künstler immer die gleichen Fragen beantworten muss, allzu wörtlich nachstellt. Wegen einer versauten Bandaufnahme von unserem ersten Telefonat lässt Herr Licht nun alle Fragen noch einmal über sich ergehen.

PeterLicht: Das ist eigentlich ganz gut, wenn die Fragen immer die gleichen sind. Da fühlt man sich sicherer und kann sich auf anderes konzentrieren, die Geschwindigkeit zum Beispiel. Man kann immer schneller werden beim beantworten von Fragen.
Virilio hätte seinen Spaß daran, aber gemeinerweise habe ich natürlich auch ein paar neue Fragen mitgebracht – jetzt wird’s also ernst:

Christian Meyer: Neben der Musik stehen auch die Texte der Stücke, die mit klugen, hübsch formulierten Bonmots nicht geizen, im Vordergrund. Auf der Platte werden viele ernste Themen unernst und in blumiger Sprache behandelt: die Entmündigung der 68er, Beschreibungen von Parkplatzsuchneurosen, eine Warnung vor der Popkultur.

PeterLicht: Das ist alles total ernst gemeint.

Christian Meyer: Wenn Du ernste Themen ernst behandelt hättest, wäre vielleicht auch etwas höchst peinliches dabei herausgekommen.

PeterLicht: Peinlich kann natürlich auch wieder gut sein!

Christian Meyer: 'Ihr lieben 68er’ ist inzwischen auf etwas problematische Art von den Ereignissen eingeholt worden. Im Moment herrscht im Mainstream die Meinung, alles war ein großer Fehler und die Beteiligten mögen sich jetzt doch bitte in aller Öffentlichkeit dafür entschuldigen. Eine Kritik der 68er spielt inzwischen den falschen Leuten zu.

PeterLicht: Das Stück ist schon drei Jahre alt, und ich bin ja kein Kabarettist, der das Zeitgeschehen behandelt. Außerdem mag ich die 68er ja. Die Musik ist schließlich auch sehr 68er kompatibel, nette Lieder, oft mit Gitarre. Aber es stimmt schon, ein bisschen komisch ist das doch.

Christian Meyer: Und wie sieht’s mit der Gefahr aus, dass aus dem Sonnendeck ein Katzeklo wird?

PeterLicht: Du meinst ein Sonnenklo! Hat das Helge Schneider geschadet?

Christian Meyer: Schon, der wollte ja auch und besonders seine seriöseren Sachen gewürdigt wissen und hat auch mal Leute aus dem Saal entfernen lassen, die immer nur nach dem einen Stück gerufen haben. Du willst ja wahrscheinlich auch, dass die Leute genauso Deine sperrigeren Stücke würdigen...

PeterLicht: Ja, aber es ist mir schon klar, das nicht jeder alles gut finden kann. Hauptsache, sie hören erst mal ein Stück. Mir selbst sind die Stücke alle gleich wichtig, aber ich kann den Leuten da ja nichts vorschreiben. Der eine sieht’s so, der andere so. Deshalb erkläre ich meine Musik auch nicht. Ich weiß nicht wie sich das entwickelt, aber im Moment ist mir das noch egal.