08.03.2002

'Beatnick Music From Mars'

von Eckhard Fürlus

atelier Theremin

Wer wollte, konnte 1995 in der von der Berlinischen Galerie im Martin-Gropius-Bau gezeigten Ausstellung Berlin-Moskau in einer Flut von Bildern und Objekten ein Instrument entdecken, das bis dahin nur einigen wenigen Musikenthusiasten geläufig war: das Theremin. Fast dreißig Jahre zuvor war es zum ersten Mal im Bereich der Popmusik eingesetzt worden, als die Beach Boys mit Hilfe dieses Geräts ihrem Song 'Good Vibrations' einige äußerst bizarre Klänge beimischten, die man bis dahin aus den Horrorfilmen der 50er und 60er Jahre kannte. Für den Berliner Bildhauer und Musiker Manfred Miersch war die Begegnung mit dem von Leon Theremin in den 20er Jahren erfundenen Instrument die Initialzündung für die Gründung der Gruppe atelier Theremin.

Die von einer deutschen Firma bezogenen Teile zum Bau eines eigenen Theremins kombinierte Manfred Miersch Anfang 1997 mit zahlreichen weiteren Elektronik-Elementen. So entstand sein Theremin in der Form eines schwarzen Kreuzes als Hommage an den russischen Suprematisten und Kunsttheoretiker Kasimir Malewitsch.

Charakteristisch für das Theremin sind eine senkrecht stehende Stabantenne und eine horizontal ausgerichtete Metallschleife, die, auf je einer Seite des Theremins angebracht, zwei Schwingungskreise erzeugen. Länge und Frequenz der von ihnen ausgehenden elektromagnetischen Wellen lassen sich dadurch verändern, daß sich die Hände des Spielers der Stabantenne oder der Metallschleife annähern bzw. wieder entfernen. Die Tonhöhe wird durch die Stabantenne, Tonstärke und Klangfärbung über die Metallschleife beeinflußt. 'Gleich der Regelung der Tonhöhe kann auch die Tonstärke mit Leichtigkeit durch eine Handbewegung im freien Raum verändert werden. Ein Heben der Hand über der kleinen Antenne bringt eine Verstärkung des Tones, ein Senken der Hand eine Abschwächung bis zum völligen Aufhören hervor. Bei der Regelung der Tonhöhe im Raume kann ein Vibrieren durch eine entsprechende vibrierende Handbewegung hervorgerufen werden.' erläutert Professor Leon Theremin den Gebrauch des von ihm entwickelten Instruments; als hätte er die Beach Boys vorausgeahnt, spricht er in diesem Zusammenhang von der Kunst, 'die Wellen zu meistern'.

1997 wurde wurde die Formation atelier Theremin gegründet und gilt seitdem als erste und einzige original Theremin Band in Berlin, die man bisher auf verschiedenen Festivals und Veranstaltungen in Berlin, Leipzig und München sehen konnte. Sängerin der Gruppe ist die aus Neuseeland gebürtige Schauspielerin Megan Gay, die auch den Turntable und die elektrische Violine bedient. Außer Theremin, Trautonium und Ring Modulator spielt Manfred Miersch auf manchen Stücken Bass und elektrische Violine. Der Perkussionist und Schlagzeuger Michael Schill spielt auf der aktuellen CD Wavedrum, Groovebox und Keyboards und zeichnet darüber hinaus für die Samples verantwortlich.

Die meisten Lyrics stammen von Megan Gay. Einige der 10 auf dieser CD enthaltenen Kompositionen gehen zurück auf literarische Vorlagen - so das von William J. Ousbys Text The Theory and Practice of Hypnotism inspirierte Hypnotics - oder sind Vertonungen englischsprachiger Lyrik wie Rape von Adrienne Rich.