05.05.2002

Seid gegrüßt!

von Eckhard Fürlus

Parole Trixi im Interview

Just an dem Abend, als im Nicolaihaus die Klaus Kinski Ausstellung eröffnet wurde und die Pop Tarts im Loft im Metropol ihr Abschiedskonzert gaben, stellten Parole Trixi auf einer Record Release Party im Bastard in Berlin die Songs ihrer neuen CD vor. Eckhard Fürlus ließ sich von Christine, Cordula, Elmar und Sandra das Prinzip der direkten Band-Demokratie erklären und sprach mit ihnen über Frauenzeitschriften, Instrumententausch und Konsumterror.

Bei der Live-Version des Stückes Mutter singt Parole Trixi Schlagzeuger Elmar Günther den Part, den Dirk von Lowtzow auf der Platte resp. CD bestreitet. Vor dem Igelsong wechselt Christine Schulz von der Fender Telecaster auf die Stratocaster; sie mag das Stück nur mit diesem Instrument spielen. Cordula Ditz spielt den Gitarrenpart bei den Songs Hier im Jetzt und Letzte Mahnung und überlässt Christine ihren Baby-blue-farbenen Fender Bass. Der Austausch von Instrumenten unter den Bandmitgliedern während der Konzerte von Parole Trixi mag marottenhaft erscheinen, kommt aber nicht von ungefähr und entpuppt sich bei näherem Hinsehen und hören als Zeichen äußerster Banddisziplin und Souveränität. Letzte Mahnung und Seid gegrüßt! sind die gegen äußere Bevormundung durch die Medien gerichteten politischen Songs dieser großartigen Band, von der Kristof Schreuf einmal geschrieben hat, sie verleite dazu, "mit dem Willen zum Preisen den Backstageraum zu stürmen".

Eckhard Fürlus: Eure erste CD war für mich eine wirkliche Offenbarung. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, das zu hören.

Sandra Grether: Wir haben uns auch über Deinen Artikel gefreut. Das da jemand auf die Bezüge und so eingeht.

Eckhard Fürlus: Kommt das nicht so oft vor?

Sandra Grether: Die Leute schreiben meistens eine Spur oberflächlicher bzw. was sie schreiben, ist offensichtlich. Obwohl - sie schreiben auch gut, also wir ...

Cordula Ditz: Ja, das hatte uns schon gefreut, weil wir - wir haben uns verstanden gefühlt.

Sandra Grether: Genau.

Cordula Ditz: Und es hat uns Freude gemacht, dass wir das Gefühl hatten, dass jemand, den wir persönlich nicht kennen, der das gehört hat, einen so guten Zugang gehabt hat. Das hat uns sehr gefreut.

Eckhard Fürlus: Aber ich nehme mal an, dass es eine Fangemeinde gibt, im Verborgenen, die aber genau weiß, diese Bezüge sind eindeutig und relativ klar. Was ich aber auch noch sagen muss: ich kenne Veruca Salt nicht von Live-Konzerten. Ich habe gerade mal zwei CDs von denen, aber diese Bezüge waren ja eindeutig. Das fand ich auch sehr schön als Hinweis, als kleine Reverenz. Die erste Frage ist natürlich: Wie lässt sich die Tournee an? Wie war die Record Release Party in Hamburg als dem eigentlichen ...

Sandra Grether: Als die eigentliche Release Party. Ja, war schön. Also hat Spaß gemacht. War ganz toll.

Cordula Ditz: Ja.

Christine Schulz: Wenn ich so sagen darf, ohne Berlin beleidigen zu wollen, am besten.

Sandra Grether: Am frischesten vielleicht.

Christine Schulz: Nein, nicht am frischesten.

Cordula Ditz: Na, das war ja auch toll. Es war ja auch der erste Tag, an dem wir sie erstmals präsentiert haben, nachdem wir so lange gearbeitet hatten.

Sandra Grether: Das war ja im Prinzip das erste Konzert, das wir gegeben haben, wo die Platte schon draußen war. Und das ist ja ein Unterschied, ob die Leute auch Lieder mal kennen.

Cordula Ditz: Also da waren auch wahnsinnig viele Leute, die geholfen haben, da. Das ist natürlich auch toll.

Elmar Günther: Das ist dann schon ein Heimspiel.

Eckhard Fürlus: Ja.

Christine Schulz: Das ist schön.

Cordula Ditz: Die dann sagen: Hey, das ist alles da. Und ihr habt jetzt alle genug daran gearbeitet.

Eckhard Fürlus: Kommt ihr alle aus Hamburg?

Christine Schulz: Wir wohnen eigentlich fast alle ...

Cordula Ditz: Ich bin da geboren.

Christine Schulz: Ich bin 80 km weit von Hamburg aufgewachsen, geboren nicht.

Sandra Grether: Meine Entfernung ist ungefähr 800 Kilometer.

Eckhard Fürlus: Das ist eine ganze Menge.

Sandra Grether: Eine Null mehr als bei Christine.

Eckhard Fürlus: Aber ihr habt Euch da zusammen gefunden in Hamburg.

Sandra Grether: Ja. Gott habe diese Stadt selig.

Eckhard Fürlus: Und war Alfred (Hilsberg) da eine Art Promoter oder wie kann man seine Rolle sehen bezüglich der Band?

Sandra Grether: Wir haben lange erst einmal Musik gemacht ohne Label und ohne uns darum zu kümmern; es ging erst mal darum, das überhaupt zu entwickeln, die Songs, und als wir alle fertig hatten, haben wir uns um ein Label gekümmert. Und dann war es auch sofort klar: Es ist Alfred, der das macht, weil Bernadette (Hengst) auch gearbeitet hatte als Produzentin. Und sie hat dann auch gesagt: Hör dir das doch mal an. Dann haben wir auch ein Konzert für ihn gegeben, und ich dachte: Komisch, hoffentlich fand er das jetzt ... Hinterher hat er mich umarmt und gesagt: Vielen Dank. Ihr habt Punk verstanden. (Gelächter).

Eckhard Fürlus: Sehr schön. Gab es in Hamburg eine Vorgruppe?

Sandra Grether: Nee.

Christine Schulz: Nein.

Eckhard Fürlus: Auf dem Veranstaltungskalender steht, dass im Rahmen der Tournee Thomas Meinecke und Bernadette dabei sein werden. Werden sie Bestandteil der Band sein, oder bestreiten sie ein eigenes Programm?

Sandra Grether: Eigenes. Also was heißt Vorprogramm? Also mit Bernadette haben wir im letzten Jahr auch zusammen gespielt. Eigentlich gibt es da kein Vor- und Haupt.

Eckhard Fürlus: Dann ist das, wie es heute passiert ist (Anm.: Als Vorgruppe spielte die Magdeburger Band Metrodiv), auch eine einmalige Sache.

Cordula Ditz: Ja.

Sandra Grether: Ja. Stimmt.

Elmar Günther: Das ist gar nicht so konstruiert. Das sind die profanen Zufälle des Buchens. Dass es mit Bernadette zusammen in Hannover ging, und dass in Frankfurt Thomas Meinecke jetzt auch dabei ist, das bleibt so und ist kein Konzept.

Eckhard Fürlus: Eine Frage wäre natürlich, wie die Songs bei Euch entstehen. Die Auseinandersetzung mit Printmedien scheint mir einen ziemlich breiten Raum einzunehmen.

Sandra Grether: Ja.

Eckhard Fürlus: Mit Hochglanzmagazinen vor allen Dingen. Es war ja gestern in der taz nachzulesen, dass die Mitarbeit bei der Spex aus einer gewissen Unzufriedenheit mit dem Blatt resultierte.

Sandra Grether: Ja. Genau. Das hat mich schon sehr geprägt. Klar, das war schon so der Ansatz, so zu schreiben, um das eigentlich zu verändern, also nicht einfach so d'accord zu erklären. Und ich meine, es hat mich natürlich schon geprägt. Auf der Platte kommt es nur in zwo Stücken, so ist es halt. Also in Letzte Mahnung, obwohl es eigentlich um Frauenzeitschriften geht. Und die Crux sind natürlich die politischen Lieder. Und - ja, das stimmt, das ist mir auch erst hinterher aufgefallen, wie sehr ich doch Politik an Zeitschriften festmache, wie sehr man an Zeitschriften das politische Klima ablesen kann. Oder wie es um den Feminismus bestellt ist, das lässt sich ja auch an Musikzeitschriften ablesen.

Eckhard Fürlus: Die Songs, die entstehen - besprecht ihr die vorher in der Gruppe?

Sandra Grether: Wir sind alle sehr gut befreundet. Das hat natürlich zur Folge, dass man ähnliche Probleme hat, über die man redet. Also dass ich zum Beispiel einen Text schreibe, und das es dann für die anderen inhaltlich nicht so sehr überraschend ist, bzw. dass man jetzt wieder so'n Lied macht. Jetzt haben wir schon drei explizit politische Lieder, wobei die ja auch nicht nur politisch sind. Die sind ja auch immer persönlich oder poetisch. Für uns ist die Mischung wichtig. Rio Reiser ist auch ganz toll. Sonst würde ich es zu eindimensional finden. Ich finde es auch wichtig, dass man sich mit einbezieht. Sonst wäre es so platt anklagend. Das finde ich blöd. Und bei Letzte Mahnung dachte ich: Jetzt müsste man mal was über Neo-Liberalismus schreiben. Es hieß erst Geile neue Zeit, und es war ein komplett anderer Text. Da meinte Christine - und da haben wir ewig drüber diskutiert, der Text war schon komplett fertig, und ich war da ganz stolz drauf, und dann hat Christine gesagt: Nee. Du schreibt die ganze Zeit nur über irgend jemand, was weiß ich, du stehst morgens auf, und das ist so anklagend, und du beziehst dich selber da mit ein. Und dann sagt sie: Nein. Wieso? Das ist halt so Clash-mäßig. Und dann habe ich einen komplett neuen Text geschrieben. Und das war Letzte Mahnung. Und das war schon besser. Also so ist es erst mal am Anfang, dann ist der Text da. Und dann sehen wir, wie es dann weitergeht. Wie dann die Songs entstehen.

Christine Schulz: Ich weiß nicht, wie du es meinst. Ob du es in musikalischer Hinsicht meinst. Wie wir uns in den Song hineinfinden mit der Musik und allem...

Eckhard Fürlus: Ja. Zum Beispiel: Was ist zuerst da?

Sandra Grether: Zuerst ist der Text da.

Christine Schulz: Und wie Sandra schon sagte, reden wir sehr viel darüber. Es ist also nicht so, dass Sandra uns einen Text vorlegt, und der wird dann gemacht, sondern wir diskutieren da auch sehr drüber. Man muß für sich auch dran denken können, was einen irgendwie auch trifft. Das ist auch immer am schönsten so. Auch für Sandra, wenn sie merkt, dass dieser Text für uns alle auch etwas bedeutet.

Cordula Ditz: Dann kann man entscheiden über Sandras Text und Musik und zusammen arbeiten.

Christine Schulz: Genau. Und das ergibt sich auch aus der Musik so. Wir fangen meistens einfach irgendwie an. Ich kann es gar nicht genau sagen. Meistens entwickelt man dann ein Bild von einer Stimmung, von einem Gefühl oder einer Atmosphäre, und dann fängt man an zu spielen. Meistens merkt man auch recht schnell, was nicht geht und was geht. Das pendelt sich ein. Sandra improvisiert mit ihrem Gesang, wir improvisieren mit unseren Instrumenten, und das pendelt sich ein. Oder manchmal ist auch erst ein Instrument so weit. Dann kommen die anderen Instrumente dazu. So entsteht das eigentlich, auch wenn es für viele nach außen hin nicht so erscheint, als wäre das eine Einheit. Für uns sind Text und Musik eine sehr starke Einheit und auch eine sehr starke Ergänzung zu einander.

Elmar Günther: Das ist schon was anderes als musikalische Ideen zu haben und dann zu sagen: Aha, der Text passt jetzt gut dazu. Das steht sehr stimmungsvoll zusammen. Das finde ich sehr interessant. Das schließt auch ein, dass es auch produktive Missverständnisse geben kann, dass nämlich nicht alle die gleiche Stimmung dazu haben. Und das dann auch bereichernd ist.

Christine Schulz: Das Gefühl habe ich gar nicht so. Ich finde, dass wir uns stilistisch stark unterscheiden. Aber das ist ja gerade das Interessante, der eine drückt die Stimmung stilistisch auf eine ganz andere Art und Weise aus...

Sandra Grether: Ja, stimmt.

Christine Schulz: Wenn man mehr vom Rock herkommt, würde man die Traurigkeit ganz anders ausdrücken, als wenn man vom Jazz kommt. Das ist schon eigenartig. Das kooperiert dann auch mehr miteinander.

Sandra Grether: Es ist auf jeden Fall sehr verblüffend, für jeden einzelnen, was dann dabei rauskommt.

Christine Schulz: Ja, genau. Also vor allem ist es wichtig, dass man es für jeden auch dabei belässt. Es ist auf jeden Fall kein Band-Diktat oder so: Wir wollen jetzt mal ein Rockstück machen. Deswegen klingen die Stücke auch so sehr vielig, manchmal. Ich kann das gar nicht sagen. Aber wenn man die Platte hört, da sind dann ja schon viele Schichten übereinander, wie zum Beispiel bei Keine Geschichte. Die besteht ja aus tausenden von Schichten.

Eckhard Fürlus: Was die Musik anbetrifft, das ist mir heute noch mal sehr aufgefallen, wie vielschichtig das ist, wie komplex die Stücke sind. Wenn man die Seiten im Internet ansieht oder bei Rezensionen, wird einem der Eindruck vermittelt, da sind Dilettanten am Werk. Aber das stimmt ja überhaupt nicht. Denn die Art und Weise wie ihr mit den Instrumenten umgeht, dass ihr die innerhalb der Gruppe austauscht, dass das möglich ist, ist ja ein Zeichen von Souveränität. Und das hat mir heute abend sehr imponiert.

Christine Schulz: Das ist schön. Manche würden auch sagen, das ist ein Zeichen von Muckertum. Aber wir haben uns wirklich was dabei überlegt, wenn wir die Instrumente tauschen. Es ist nicht so, dass man denkt, das kommt jetzt immer gut, wenn wir die Instrumente tauschen, aber wie zum Beispiel bei Igel, wo ich mir eine andere Gitarre umhänge, dann denke ich: Mann, jetzt hänge ich mir eine andere Gitarre um; das ist ein eigenes Stück. Aber es geht halt nicht anders.

Sandra Grether: (lacht) Also das Stück ist ja auch auf der Gitarre entstanden.

Christine Schulz: Genau. Auf Konzerten wie auf derselben Gitarre dieses Stück zu spielen; ich hab nicht das Gefühl, bei mir selbst zu Haus könnte ich mit dieser anderen Gitarre ... Wie ich mir dieses Stück ausgedacht habe, und das ist echt eigenartig, oder gar nicht eigenartig, auf jeden Fall ist das sehr ...

Sandra Grether: Auf jeden Fall nicht das, was man unter Dilettantismus versteht. Wenn du jetzt denkst, das Lied habe ich mir auf der Gitarre ausgedacht, ich will&Mac226;s auch mit dem Sound spielen.

Christine Schulz: Deshalb ist es für mich auch sehr schwierig. Diese Gitarre, die ich bei Igel benutzt habe, die hatte ich auch für viele andere Stücke, die wir in unserem Programm haben. Und die neuen Stücke, die sind ganz anders geworden dadurch, dass wir jetzt auch 'ne neue Bassistin in der Band haben, andererseits dadurch, dass ich 'ne ganz andere Gitarre um den Hals hatte. Also man muß einfach anders spielen, je nach dem, wie das Instrument klingt. Und irgendwann muß ich auch eine Lösung finden, wie ich die anderen Stücke, die ich auf der alten Gitarre entwickelt hatte, jetzt auf der neuen Gitarre spielen kann.

Sandra Grether: Wir haben das Gefühl, dass dieser Dilettantismus, dass das vielleicht auch daher kommt, auch wenn das jetzt platt klingt, dass wir halt Frauen sind und ich immer das Gefühl hab, dass Frauen nicht so richtig eine Innovation zugetraut wird. Also dass Leute oft denken: Was bei uns vielleicht neu ist als bei anderen, ist irgendwie falsch; das kann doch gar nicht so sein. Und ich glaube, wenn wir die selbe Musik als Männer machen würden, dann würden die Leute viel mehr denken: Oh, das ist ja was Neues oder da kommt ja irgendwie was interessantes Neues zusammen.

Christine Schulz: Ja. Was so'n bisschen bestätigt, was Sandra sagt, das ist eben, daß man das am wenigsten dann merkt, wenn die Leute uns Dilettantismus unterstellen, sondern dann, wenn sie uns so was wie Wohlwollen gegenüberstellen, wenn sie so was schreiben wie: Das ist ja auch orientiert an Hamburger Schule. Oder so was. Und das sind wir ja eben gerade nicht. Ich finde es halt gerade doof von Frauenbands zu reden. Man redet ja auch nicht von Männerbands innerhalb von Bands, aber wenn man von Frauenbands redet, dann kann man als neues Element - aber das ist auch Quatsch - hinzufügen, dass wir vom sozialen Gefüge her anders sind, so dass dadurch andere Stücke entstehen. Ich habe vorher in vielen Bands gespielt, und ich kann jetzt vielleicht mitreden, ohne Elmar zu beleidigen, das weiß ich nicht. Vielleicht hing das mit meiner Position zusammen, so in Jungsbands oder so, dass es da immer sehr stark darum ging, dass einer seine Vision durchboxt. Und das fand ich auch sehr schön und eine neue Erfahrung, dass man jedem seine Vision lassen kann und daraus eine gemeinsame entwickelt. Und deswegen fassen die Leute das nicht gleich als Dilettantismus auf. Sie finden, - weil sie ja nicht denken: Das ist ja vielschichtig! - sondern das passt ja nicht zu dem, und das passt nicht zu dem ...

Sandra Grether: Genau.

Christine Schulz: ... aber es geht eben auch darum, dass wir auch sehr unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Und dass es für mich sehr wichtig ist, dass jeder seine Persönlichkeit einbringen kann. Und nicht dass einer sich so durchsetzt und sagt: So hier, wir müssen jetzt aber Rock machen; du fidelst mir da zuviel rum. Und das habe ich halt in so vielen Bands schon erlebt. Der eine macht da seinen Funk-Stiebel, und die andern hacken nur auf ihm rum, bis er rausgeschmissen wird. Und ich finde, das muß nicht sein. Wenn man sich menschlich mag, ist das das Entscheidende. Ich kenne so viele Bands, die mögen sich überhaupt nicht, die hassen sich wie die Pest, aber machen dann zusammen Musik, weil ... - na ja.

Eckhard Fürlus: Aber den Eindruck hatte ich heute abend auch, dass ihr gerade als Ensemble eine unglaubliche Sympathie von der Bühne ausstrahlt. Und das hat sich auch auf's Auditorium sehr wohl übertragen. Das hat man nicht oft. Man hat den Eindruck, dass die Chemie stimmt. - Es gab da vor diesem einen Stück einen kleinen Seitenhieb auf Markenklamotten. Und die Art und Weise, wie ihr euch auf der Bühne präsentiert, hat ja was ganz Eigenes. Ist das Konzept oder ist das mehr zufällig?

Sandra Grether: Das ist einfach wie wir leben. Das ist weder Zufall noch Konzept. Wir kleiden uns auf der Bühne wie sonst auch. Eigentlich ist das unser Stil.

Christine Schulz: Ja, stimmt. Ich meine, man sieht ja vielleicht auch, wir sind ja sehr unterschiedlich, dass wir nicht abgesprochen aussehen. Sandra: Die Gemeinsamkeit ist vielleicht, das es alles individuell ist. Das wir jetzt nicht alle die Markenklamotten zusammen ...

Cordula Ditz: Das einzige, was man vielleicht konzeptionell festmachen kann, ist, dass wir uns nicht absprechen.

Christine Schulz: Ja, genau.

Sandra Grether: Also wir überlegen uns jetzt nicht ...

Cordula Ditz: Wir sprechen uns konzeptionell nicht ab.

Sandra Grether: Genau. Das ist vielleicht eher so'n Prinzip, dass man denkt: Ach, was hat die denn an? Ah, interessant.

Cordula Ditz: Wir sind auch immer wieder erstaunt, dass wir eigentlich Klamotten hätten, die ganz gut zusammen passen würden, als wenn wir total unfähig sind, das zu koordinieren.

Christine Schulz: Und dann bringt jemand ein Teil mit und du denkst: He, das hab ich auch; laß uns das doch mal zusammen anziehen; das wär doch schon der Hammer. Oder zum Rock. Ich hab auch so einen, der sieht so ähnlich aus. Aber irgendwie kommt das halt nie so. Irgendwann kommt man dazu, festzustellen, man zieht das zum Auftritt an, worin man sich einfach am wohlsten fühlt...

Cordula Ditz: Genau.

Christine Schulz: Also ich kann zum Beispiel einen Abend vor einem Konzert ganz schlecht sagen, was ich dann an dem Abend tragen werde, weil ... ich muß einfach vor dem Konzert denken, wo fühle ich mich jetzt am meisten wohl drin, ohne mir jetzt selbst fremd vorzukommen. Darum geht's mir eigentlich. Man sagt ja nicht ohne Grund, Klamotten sind so'ne Art zweite Haut. Und in der Haut muß man sich ja auch wohlfühlen.



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Die Band
Gegründet wurde PAROLE TRIXI 1998 von der Ex-Spex-Autorin Sandra Grether, von Elmar Günther und der ehemaligen Lassie-Singerin Almut Klotz. Nach einigen Konzerten sagte Almut Klotz "Tschüss" und gründete das Label "Flittchen Records", auf dem der Sampler "Stolz und Vorurteil, a compilation of female Gesang, Gitarre und Elektronik" erschien, u.a. mit "Punkrock", dem ersten Song, den PAROLE TRIXI überhaupt veröffentlichten.

Kurz nach Almuts Ausstieg kamen Christine Schulz als Gitarristin und Jule Kruschke als Bassistin in die Band. PAROLE TRIXI traten fortan häufig live auf, zuletzt im September vor Blumfeld in der ausverkauften "Grosse Freiheit." Anfang 2001 stieg Cordula Ditz, eine Freundin der Band - und Sängerin & Gitarristin der All-Girl-Noise-Rock-Band "Schlampen ficken besser"- für Jule als Bassistin ein. Mit diesem Bandgefüge wurde u.a. im Hamburger Soundgarden die Studioarbeit begonnen.