20.08.2004

"zwischen sprechenden Flammen und tönenden Schatten ..."

von Eckhard Fürlus

Das Festival Inventionen 2004

Erinnert sich noch jemand an das Metamusik Festival? Für Komponisten und Musiker unterschiedlichster Provenienz, die als Gäste des Berliner Künstlerprogramms des DAAD für ein Jahr in der geteilten Stadt lebten und arbeiteten, war das im Zweijahresrhythmus und überwiegend in der Neuen Nationalgalerie veranstaltete Metamusik Festival in den 70er Jahren das herausragende Forum, um neue Arbeiten einem jungen, aufgeschlossenen Publikum präsentieren zu können.

Kompositionen von Gösta Neuwirth, György Ligeti, Tilo Medek, Olivier Messiaen, Pierre Boulez, Edward Kobrin, Maki Ishii, Meredith Monk und Terry Riley wurden während des Metamusik Festivals aufgeführt. Zu den Interpreten gehörten u. a. Aloys und Alfons Kontarsky, Steve Reich und von ihm geleitete Ensembles, das Orchester des Chinesischen Rundfunks oder auch die Mönche der Tendai Sekte. Traditionelle Tänze aus Thailand fanden hier statt, und ebenso selbstverständlich konnte man Sitarmusik aus Calcutta auf diesem Festival hören.

  • Inventionen 2004, Kazumi

Aus dem Metamusik Festival und einer von der TU veranstalteten Reihe mit dem Titel "stimmen" gingen dann Anfang der 80er Jahre die Inventionen hervor. Seit nunmehr 22 Jahren widmen sich die Inventionen der Verbindung verschiedener künstlerischer Medien. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt mit 12 Uraufführungen und zwei deutschen Erstaufführungen auf der elektroakustischen Musik sowie experimentellen und multimedialen Konzepten, Performances, Konzerten und Klangkunst.

Inventionen 2004, das vom Berliner Künstlerprogramm des DAAD und dem Elektronischen Studio der TU Berlin veranstaltete Berliner Festival Neuer Musik, präsentierte vom 23. bis zum 27. Juni 2004 Aktuelles aus dem künstlerischen Schaffen "zwischen musikalischer Graphik und Lautsprechermusik, zwischen Film, Video und imaginären Klangbildern, im Spannungsfeld von Instrumentalmusik und Live-Elektronik, von Tanz und Klanginstallation".

Das erste Konzert der Inventionen 2004 wurde am 24. Juni durch das Kammerensemble Neue Musik Berlin in den Sophiensälen eröffnet. An diesem Abend gelangten drei Werke zur Aufführung: belit, eine Komposition für acht Instrumente und sechzehn Lichtquellen von Bernhard Gál aus Österreich, The Queen of the South für Instrumentalisten, schwingungsempfindliche Oberflächen, Streugut und Video von Alvin Lucier aus USA sowie bitpool von Mark Trayle, ebenfalls USA.

Am 25. Juni spielte das Streichquartett des Klangforums Wien das string quartet 1.3 des österreichischen Komponisten Wolfgang Mitterer, die Live-Elektronik und Lichtprojektion mit einbezhieht. Ebenfalls an diesem Abend gab es eine Uraufführung der Komposition object-obstacle von Hans Tutschku aus Deutschland.

Am dritten Konzertabend bestritt der Wiener Cellist Michael Moser; er realisierte die Komposition splitting 22 für Violoncello, 4-Kanal-Zuspielung und Video sowie das Cello-Stück II von Rolf Julius und treffen für sechs Instrumente der südkoreanischen Komponistin Soo-Jung Shin zusammen mit dem Kammerensemble Neue Musik. Bei den beiden letztgenannten Darbietungen handelte es sich um Uraufführungen.

Tanz und Film wurden in das vierte Konzert am 27. Juni mit einbezogen in die elektroakustischen Kompositionen Black Ice von Robert J. Dow aus den USA, Globalalia von Trevor Wishart aus Großbritannien und den audible ecosystemics n. 1 and n. 2 für Live-Elektronik von Agostino Di Scipio aus Italien. Shintaro Imai realisierte seine Komposition Motion and Glitch Study zusammen mit der Tänzerin Kazue Ikeda. Mario Verandi aus Argentinien führte einen Klang-film für 2 Instrumente, Live-Elektronik und Projektion vor. Musikalisch kommentiert wurde ein Film von Harun Farocki mit Live-Elektronik und zwei Solisten Andrea Neumann, Innenklavier, und Robin Hayward, Tuba.


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Weitere Informationen zu den Inventionen 2004 lassen sich im Internet abrufen unter www.inventionen.de.