28.08.2004

Television und Patti Smith im Mentalgepäck

von Carsten Klook

[...] zeigten, dass die von ihnen bearbeiteten Gitarrensaiten scharf und schneidig andere Tongespinste arrangierten, als man es bis dato gewohnt war.

Zum zehnminütigen "Marquee Moon" habe er Schlagzeug geübt, immer wieder bumm-tschak-bummbumm-tschak bumm-tschak-bummbumm-tschak... die raffinierten Variationen auf der Hihat und der Snare, die Billy Ficca einstreute, habe er einfach weggelassen. Wie er das sagte, wie sich ihm das eingeprägt habe... dieses Sitzen im Keller eines Freundes, der leicht muffige Geruch, das rosafarbene Neonlicht, eine alte grüngoldene Wohnzimmer-Garnitur neben der ausrangierten Stereoanlage vor den gelblackierten Wänden... und dass er in Ermangelung einer Freundin zwei Jahre diese Platte geliebt habe, wie ein Gebet, wie nichts anderes in jener Zeit... sein Enthusiasmus machte ihn atemlos. Ich spürte seinen Herzschlag, wie der die Luft zum Zittern zu bringen schien, wie er so auf mich einredete, neben mir ging und wild mit den Händen fuchtelte, als wolle er die Musik direkt aus der Luft zapfen, die ihn seelisch verfolgte. Ich, der ihn seit Jahen kannte und seinen Enthusiasmus auf halbe Kraft zu drosseln gewohnt war, weil er sonst durchgedreht wäre, überschnappt an der Begeisterung, an der Hin- und Selbstaufgabe: Television sollten das erste Mal in Hamburg spielen.

So gingen wir durch die Straßen und - razzfuzz - ... plötzlich standen wir vor einem Television-Plakat, die Vergrößerung des Fotos von der 77er-LP gleichen Namens, "Marquee Moon" eben. Und er redete wieder auf mich ein, was für ein dunkler Sommer das damals für ihn gewesen sei und wie egal ihm das war, weil es ja diese Platte gegeben habe. Und ob ich nicht mitkommen wolle, übermorgen, auf das Konzert dieser gigantischen Band mit der alles begann, für ihn. Sein Leben als, ja als Nachtschatten-gewächs, wie er ernsthaft sagte. Seine Phase als trunkenes Schiff auf hoher See. Lächerlich, dachte ich, und wie er sich besoff, berauschte an all seinen Sinnen. Undsoweiter. Ich konnte es nicht mit anhören. Die Ohren schluckten die Geräusche vorbeifahrender Autos an der Kreuzung unter der Sternbrücke, über die gerade ein Zug fuhr... aus der Astra-Stube drückte irgendeine Elektro-Band ihre harten Bässe an die Fensterscheiben. Television, dachte ich.

"Elevation, don´t go to my head", sang er und - "därdie-därdie" - wackelte dabei bedeutungsschwanger mit dem Kopf, als schraube ihn jemand in die Luft. Empor! Aus aufgerissenen Glubschaugen starrte er mich an. Hatte ihm jemand den Hals umgedreht? Er zuckte mit den Schultern und kaufte sich ein paar Dosen Bier an der Tankstelle.

Verlaine singt nicht, er nuschelt und selbst dabei trifft er die Töne nicht. Sympathisch roh.

Als wir zwei Tage später in die "Fabrik" kamen, hatte die Band bereits angefangen. "Viel zu früh!", schrie er verärgert, drängelte sofort nach vorn, ging an die Seite, direkt neben die P.A.-Box links neben der Bühne und quetschte sich vorn an die Rampe, blieb hängen, riss sich das Shirt auf, während ich, zehn Meter hinter ihm stehend, ihn dabei beobachtete, wie er Tom Verlaine anstarrte. Der sah jung aus, wie gut erhalten. Wie immer, dachte ich. Wie damals? Ich kannte das ja alles, hatte es mitangehört und -angesehen, damals auf den Klassenparties, wo er für vier Minuten Televison auf Klassenparties kämpfte, während die uneingeweihten MitschülerInnen Meat Loaf und Bob Seger hören wollten. Er federte gerade biegsam nach rechts, federte rastend und versenkte sich im Taumel.

Auf der Bühne wuchs die Legende.

Fast alle waren da: Menschen, die ohne Umarmung gekommen waren ebenso wie Hamburger Stars. Männer, die bisher noch niemand gesehen hatte. Ein Älterer: War er nicht die perfekte Mischung aus Holger "Schuko" Czukay und David "Bing" Crosby in einer Person?

Am Schanktisch wurden derweil statt Bier Television-Poster mit dem Motiv des Debütalbums für zwei Euro verkauft. Billiger kann man nicht besoffen werden. Er, der an der Rampe versunken war, hängte sich das Ding später übers Bett. "Um Frauen zu verschrecken", erzählte er mir später.

Vom Cover des majestätischen "Marquee Moon" starrten Television den Betrachter an wie psychotisch-aggressive Wesen von einem elektrisch-blau schimmernden Planeten - gerade so, als käme man per TV direkt aus dem kollektiven Unterbewusstsein Amerikas. Verlaine und Co. sehen darauf aus, als hätten sie sich die Pulsadern aufgeschnitten und kurz vor dem Ausbluten wieder zugeklebt. Ihre hervortretenden Adern und besonders Verlaines in den Mittelpunkt gerückten Hände, so hatte er mir vorgeschwärmt, zeigten, dass die von ihnen bearbeiteten Gitarrensaiten scharf und schneidig andere Tongespinste arrangierten, als man es bis dato gewohnt war. "Marquee Moon", sagte er, ist einer der größten Tracks Rockmusik, die je produziert wurden. Nur, dass Television eine kalte, verwirrende Botschaft trugen: eine, die sich krass vom damals regierenden Hippie-Denken und dem Hirnmasse-zersetzenden Improvisations-Gehabe des Mittsiebziger-Rocks unterschied. Eine Linie wurde da gezogen, hinter der das Terrain von Existentialismus, Tod, den Versen Rimbauds und den Blumen des Bösen durchdrungen war. Schwarze Lilien.

Und das Publikum war gekommen, die Stücke abzugleichen mit dem, was man 300 bis 1500 Mal in den letzten 27 Jahren gehört hatte.

Es tut gut, Gitarren zu hören, die mehr zu sagen haben als Riff und Rip Off.

Verlaine steht noch als dieser verschmitzt-lächelnde burschikose Typ auf der Bühne mit dem Haarschnitt von einst und pflegt dieses leicht disharmonische Gitarrenspiel... grinst, den Kopf gesenkt, sucht die Töne, greift auch schon mal einen Bund daneben... Richard Lloyd verzieht dabei schmerzverzerrt das Gesicht, scheint sich in seinem Gesicht verstecken zu wollen, als sei das hier nur ein böser Film, bei dem er nur holografisch anwesend ist. Das alles ist doch nur ein Fake, scheint Verlaine zu denken, merkt denn das keiner. Lloyd aber nimmt es ernst. Verlaine, im schwarzen T-Shirt, tritt beim Singen gar nicht direkt ans Mikrofon. Er geht schon vorher weg, bevor der Einsatz vorbei ist, lässt Sätze aus und zersiedelt die Textlandschaft. Es bleibt ein Verwirrspiel. Was ist hier Television und was die Live-Übertragung aus der Fantasie? Spielt hier die gefühlte Band sich selbst, oder die, die ein Bild von früher noch einmal füllen will mit der Desillusioniertheit von heute? Zeit- und Deckungsgleichheit... es strebt zueinander. Verlaine singt nicht, er nuschelt und selbst dabei trifft er die Töne nicht. Sympathisch roh. Was singt er eigentlich? "Mr. Lee", zum Beispiel.

Und der Bassist sieht ein wenig schmierig aus, in der Tradition eines Rock´n´Roll-Pianisten - darin aber grundsolide. Tat er das nicht schon auf dem ersten und dem zweiten Cover?

Seltsam auch, wenn Lloyd, Smith und Verlaine vorne an der Rampe an die Mikros treten und singen "When I see the glory I feel no worry"... und es sind eben diese in die Jahre gekommenen Männer Mitte Fünfzig, wobei Ficca und Verlaine sich gut gehalten haben. Jaja. Aber was spielt Verlaine da? Was ist mit Verlaines Hirn los? Zuviele Drogen?

Und vorne tanzt mein Bekannter, tanzt auf Fleck, nutzt den Raum. "See no evil" bringt die Band supertight zusammen und auf den Punkt. Das Stück treibt wie auf der Platte, nur dynamischer, echter, natürlicher. "Friction" hab ich das gehört, haben sie das gespielt, wird mich mein Bekannter fragen. Tanzen auf Fleck bei "Little Johnny Jewel" und bei "Adventure". "Prove It" ( ..."To The Facts") - erstaunt noch immer wegen der versetzten Vokalphrasierung und der Breaks... die Pause macht´s... ein super Stück. das finden auch die Strokes- und Franz Ferdinand-Fans, die im Beat-Anzug mit Streifen echter aussehen, als die Fans aus den 60ern je ausgesehen haben. Authentischer, irgendwie.

Und immer wieder das Studium der Gitarristen: Wer spielt was und wie. Verlaine und Lloyd: Letzerer ist ganz klar der Virtuosere der zwei. Er hält sein Ding hoch und spielt seine Parts sehr sauber und akkurat. Ja, hier gehts um Männlichkeit und Prestigeduelle. Verlaines Spiel hat nicht diese abgeklärte, emotional-enthaltsame Professionalität, mit der er Riffs wiederbelebt und neu zu bestücken sucht. Er baut den Zweifel des Moments mit ein - das Kopfschütteln über den Vorgang Retro? Und es wird klar, dass das eben doch Punk ist - von der Haltung sehr viel mehr als bei sogenannten "echten Punkbands" - und kein durchgestyltes, immer wieder abrufbares Digitalprodukt. Verlaine scheint des originalgetreu Zusammensetzens müde und spielt anders... falsch im falschen Sinne. Richtig im richtigen. Diese Gitarrenläufe und- melodien, die nach "klassischem Muster" auslaufen, varriiert werden, an der langen Angel hängen, eingeholt nochmal variiert, wiederholt zu neuen Motiven führen und dann wieder in den klassischen Rockriff münden. Da ist die helle, beissende Stratocaster von Lloyd über den halbierten Marshall-Turm und der wärmere, effektbeladene Sound über den Vox-Amp von Tom Verlaine.

"Foxhole"- haben sie das auch gespielt? Geht es hier darum, ein Konzert nachträglich zu erahnen? Die Setlist... "Careful" und "Carried away" hatte er das im Taumel gehört? Und auch "The Fire", das genial zerfleddert wurde... ebenso wie "The Dreams Dream"? Und zum Schluss hat man das Gefühl, sie haben fast alles gespielt. Und das, was nicht gespielt wurde hat man schnell zu Hause nachgehört und drangehängt, als hätten sie das auch gespielt, wie schon einmal zuvor. Und dann dieses Gefühl, wie man sich wohl als Paul Verlaine oder Rimbaud in Frankreich gefühlt hätte, oder als Tom Verlaine an den Docks in New York. "This case is closed" - sehr daneben gesungen!

Und jemand wünscht sich lautlos "Days" vom roten Album, weil er es 180 Tage jeden Morgen gehört hat. 1978, vor dem 8-Stunden-Tag im Supermarkt, das silbern-schimmernde "Days are all we´ve got" mit dem er sich in diesem Jahr zum Durchhalten motivieren konnte und sich mittels dieses Songs aus dem Sumpf zog. Das aber spielen sie nicht.

Television haben auch neues Material, ohne es als solches anzukündigen. "Walartig, das eine" sagt eine Besucherin. Ein neues Album ist wohl in Arbeit und die Stücke stehen den alten an Intensität und Magie in nichts nach. Sie scheinen offener mit mehr Platz für freie, unbestimmte Strukturen.

Es tut gut, Gitarren zu hören, die mehr zu sagen haben als Riff und Rip Off. Gitarren, die Geschichten erzählen von silbernen Eyelinern an Rändern, die nach Salzseen und Landschaften von anderen Planeten klingen.

Man fragt sich an diesem Abend, ob Verlaine das Stück je wieder zusammengeschraubt kriegt,...

"Marquee Moon": "I remember how darkness doubled...I recall...". Man fragt sich an diesem Abend, ob Verlaine das Stück je wieder zusammengeschraubt kriegt, nachdem er es wie ein kleiner Junge bereits zu Anfang zerlegt und seine eigenen Riffs auseinander geschraubt hat - absichtlich oder nicht. Verlaine liebt das Auszittern der Hand auf dem Griffbrett, um die 64stel rüberzubringen. Die Gemeinde bangt, ob er wieder in den Takt zurückkommt, rechtzeitig, während er das Ausdehnen dessen betreibt, was man im 4/4-Takt gerade noch darf. Dazu singt er mit dürrer Stimme: "I spoke to a man down under the tracks and i asked him how it go mad. He said don´t you be so happy and for heavens sake don´t you be so sad." Und das Stück findet kein Ende. Es ist ein Crescendo-Wettbewerb mit immer wieder ansteigenden Kaskaden, die sich hochschrauben. Glück in der Auflösung im Pflug durch die Vergangenheit, als hinge an jedem Ton eine andere Nacht, eine andere Erinnerung, eine Sekunde eines Traumes von etwas vielleicht nie Erlebtem, aber doch Ersehntem, das mit dem Stück neu zusammengesetzt wird im Moment der Gegenwart, die eine lange Sekunde ist und durch die ineinanderverzahnten Gitarrenläufe sich höher schraubt vermeintlich Ewiges... Ekstase. "Dark Star" möchte man jetzt rufen: "Dark Star"! Spielt bitte "Dark Star"! Und sich als Affe outen.

Auch er, der andere, war aufgegangen im Erleben der fragilen Zusammensetzung einer Neuinszenierung, im bangen Fragen des Schaffen-die-das? Und dann das Wegwischen... Verlaine als großer Gestikulator, der die Läufe über die Akkorde zieht, immer wieder zum Vox-Amp rennt und nachregelt, sich gegen Richard Llyod zu erheben, rein lautstärketechnisch, der das Stück wieder einmal sauber spielt. Verlaine rissen während des Sets zwei Saiten. Am Ende lacht Verlaine, für weitere Zugabe scheint man nicht vorbereitet. Und danach sofort Klaviermusik aus der virtuellen Welt.

... / und dann am nächsten Morgen klingelt nicht der Wecker, sondern das Ohr, weil er neben der Box stand, und es dängelt der Riff von "Prove it!", sofort nach dem Aufwachen "...to the facts!!!". Und: Was hat er da gesehen, aus der Erinnerung heraus?

Die Dunkelheit und ihr (sub)kultureller Kontext: Rimbaud, drogengeschwängerte Wahrnehmung, Halluzinationen und die Sehnsucht nach dem Dahinter, dem Land dahinter, dem Urgrund, und was man alles auf sich nahm an Irrwegen.. dorthin zu gelangen... falsch gelaufene Exzessen... und da steht sie wieder, die Dunkelheit und derartig halblaue Fegefeuer... ein Leben für zehn Minuten auf dem "Marquee Moon" und der Tag fängt an und die Sonne scheint und das wirkt sehr irreal.

Statt dessen die Erinerungen an U-Bahnfahrten mit dem "154"-Album von Wire im Kopf, anderes Land, stundenlange Headphone-Reisen bis an das Ende der Nacht. "We´re all Prostitutes and everyone has its price"-Erinnerungen, deutscher Untergrund und das Fühlen eines Outlaw-Seins im eigenen Körper. Erinnerungen an Eisenbahnbrücken, an Blicke, in denen sich Vages konzentrierte, Draufsichten, schnelles Umblättern, Visionen beim Vorbeifahren... Verlaine sagte einmal: "I saw an interesting junkyard from a train about a month ago. From the window of a train it had this look to it. I always like junkyards. All this metal piled up - they’re filled with pathos, those places. Much more pathos than most of the music I’ve heard." Erinnerungen an das erste Hören der "Horses"-LP von Partti Smith, auf der ebenfalls Tom Verlaine mitspielte. Erinnerungen an die Zeit der Musterung, wo man sich fühlte wie Vieh, als ein Mann namens Arzt mit einem Glacehandschuh nackten Männern in Reihe an die Puperzen fingerte... und man eine schwachblasse Ahnung bekam, wie sich das angefühlt haben muss und man tagelang danach sich ekelte und "Horses" hörte, "horses long before horses enter the scene", als böse Nachahnung eines Vorhineins und im Bett lag und die Menschheit hasste. "Yeah, yeah, no! Oh no!"...

Einen Monat später...

  • Patti Smith

rief er wieder an, er habe Karten für Patti Smith. Patti füllte das Haus an der Reeperbahn. Auf dem Cover ihres neuen Albums "Trampin´" sieht sie aus wie eine Lumpen-Intellektuelle, die aus Babylon geflüchtet ist. Peter Sempel erzählte, er habe sie backstage fotografiert und dass es eine teure Pariser Designer-Jacke war, in die sie auf der Bühne einen Schlitz machte. So wie auf der Tour de France auf den Strassen stand: "Rip their Balls off, Lance!", hatte sie so ihre Jacke aufgeschlitzt? War es eine Demonstration für oder gegen etwas? Auf der Bühne trug sie Jeans und ein weißes T-Shirt mit einem Peace-Zeichen. Und sie gedachte der Opfer des Zweiten Weltkrieges auch in unserer Stadt, gedachte unserer Eltern und der erlittenen Leiden. Und sie hing sich ans Kreuz, obwohl sie einst textete "Jesus died for somebodys sins but not mine". Ja, "Gloria spielte sie und auch "Free Money" vom "Horses"-Album in der Zugabe, dem besten Teil des Konzerts.

Das neue Album soll uns Baghdad von innen zeigen. Gandhi, die Rolle des USA derzeit und vom Traum eines irgendwann vielleicht einmal friedensfähigen Königsreich. Es ging um das Recht auf Demonstrationen (wie die Projektionswand hinter der Bühne erzählte), um "People have the power" - den Song, den sie einst mit ihrem Ehemann, dem MC Five-Gitarristen Fred "Sonic" Smith, schrieb.

Das junge Publikum war eine Mischung aus jungen Frauen, männlichen und weiblichen, die mit offenem Mund vorne an der Bühne standen und staunten, welche Power diese Frau noch heute hat. Und es war auch ein Elternabend der Bürgerrechtler-Bewegung. So standen die Leute da, ehemalige Studenten, die sich zu "Because The Night" ihre Füsse wund getanzt hatten und nun einen schwachen Abglanz davon erhielten und wiedergaben. Die Band spielte langsam - ein Rock-Konzert war das nicht. Eher eine Slow-Midtempo-Andacht. Die Smith spielte die Klarinette auf "Radio Baghdad", als käme sie aus der Klezmer-Nationalmannschaft. Die zwei Punk-Momente des Konzerts bestanden aus dem Spucken auf die Bühne, nachdem sie die Tröte aus der Hand legte und dem Ausspucken eines Schluckes Bier. So war das an diesem Abend. Das also war die andere Variante des Überlebens im RockSpecktakel. Und die Fans klatschten gemäßigt-wild und waren zufrieden, so schien es. Der Beifall - wie die Soli von "Horses" - brav nachgespielt. Eine gebremste Angelegenheit, die die einmal gesteckten Ziele feinsäuberlich nachahmte.

Er war verschwunden, der Geist, der mich begleitet hatte und ich trat hinaus in das noch helle Hamburg, ging hinunter in den Hafen und hielt den Kopf ins Elbwasser, wo Schiffsmotoren aus weiter Ferne dumpf gurgelten und etwas versprachen an Aufruhr und Verwirbelung. So you wanna be a rock´n´ roll star with your head held high and an electric guitar?