Mouse On Mars
30.08.2004

Mouse On Mars

von Christian Meyer

Das Köln-Düsseldorfer Elektronik-Duo "Mouse On Mars" war immer schon Anlass für ausladende Theoretisiererei von Musikkritikern und anderen popkulturell bewegten Menschen. Das lag zum einen seit je her an dem Kontext, dem "Mouse On Mars" zuzuordnen sind: jenes Kunst- und Avantgarde-Musik-Umfeld, dass sich in den 90er Jahren um den Kölner Vertrieb, Plattenladen und Label "A-Musik" angesammelt hat – breitenwirksam vorgestellt vom 4.4.-27.7. in der "Mouse on Mars"-Ausstellung "doku/fiction" im Düsseldorfer Kunstverein. Zum anderen haben die verbalen Äußerungen der beiden Musiker Jan St. Werner und Andi Toma diese Tendenz verstärkt. Und nicht zuletzt ist natürlich ihre eigene Musik daran Schuld – angefangen bei den abstrakten Ambientsounds der Frühphase seit 1994, mit der sie vor allem in England schnell enorm erfolgreich waren, bis hin zu den dekonstruktivistischen Tracks mit gebrochenen Beats und verzerrten Sounds der letzten Jahre.

Ihr neues, inzwischen achtes Album heißt "Radical Connector", und schon werden die Theorie-Maschinen erneut angekurbelt. Denn der Titel überrascht, die letzten Alben klangen eher nach radikalem disconnecten: Dort wurden sämtliche Strukturen der Popmusik hinterfragt und unterwandert, erwartbare Anschlüsse umgangen und gebräuchliche Sinneinheiten zerlegt. Nun wird also alles wieder miteinander verbunden, und zwar radikal! "Radical Connector" wäre demnach ein glattes Popalbum. Es ist natürlich alles Andere als das, aber glatter, songorientierter als die Vorgänger ist die Platte auf jeden Fall geworden. Die Kölner Sängerin Niobe sorgt dafür, dass sogar einige 'richtige' Songs auf der Platte sind – obwohl ihre eigenen Platten gar nicht leicht verdaulich sind. "Whipe that Sound" mit Gesang von Dodo Nkishi klingt im Vergleich heftiger, doch auch hier lärmt es im konventionelleren Sinn, es wird an einer tonnenschweren HipHop-Version gebastelt. Das klingt den zerschredderten HipHop-Beats des Rosenheimer Duos "Funkstörung" überraschend ähnlich. Deren letztes Album hieß "Disconnected". Da nähern sich wohl zwei Grüppchen aus verschiedenen Richtungen demselben Punkt.