22.09.2004

Gabba Gabba Hey

von Eckhard Fürlus

Zum Tod des Gitarristen Johnny Ramone

An den Ramones, die sich 1974 formierten, hatten sich nicht nur die Sex Pistols, sondern alle namhaften Bands der Punk-Ära orientiert und abgearbeitet.

Innerhalb nur weniger Jahre verstarben drei Gründungsmitglieder der Ramones, einer de facto bedeutenden und epochemachenden US-amerikanischen Band. Nach Joey und Dee Dee Ramone erlag der Gitarrist Johnny Ramone am 15. September 2004 im Alter von 55 Jahren den Folgen einer Krebserkrankung. Bereits im Juni dieses Jahres war Johnny Ramone, bürgerlich John Cummings, wegen seiner Krankheit in das Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles eingeliefert worden.

An den Ramones, die sich 1974 formierten, hatten sich nicht nur die Sex Pistols, sondern alle namhaften Bands der Punk-Ära orientiert und abgearbeitet. Songs wie "Blitzkrieg Bop", "I Just Wanna Have Something To Do", "Don't Come Close", "I Don't Want You", "I Wanna Be Sedated", "She's The One", "Gimme Gimme Shock Treatment", "Sheena Is A Punk Rocker", "Commando", "Carbona Not Glue", "Rock 'n' Roll Radio", "Rock 'n' Roll Highschool", "Chinese Rock" und "Today Your Love Tomorrow The World", um nur einige wenige zu nennen, verhalfen der Band zu Kultstatus ebenso wie ihr äußeres Erscheinungsbild mit Lederjacken, bedruckten T-shirts, an den Knien eingerissene Jeans und Turnschuhen, das auf ihren Art director, Arturo Vega, zurückzuführen ist, mit dem die Ramones dreißig Jahre zusammenarbeiteten. Arturo Vega dürfte sich zu den Ramones etwa so verhalten wie Brian Epstein zu den frühen Beatles.

Die Ramones gehörten zu den 70er Jahre Bands des New Yorker Clubs CBGB wie die Talking Heads, Patty Smith, Richard Hell und einige andere. Gesehen habe ich sie vier Mal, zweimal in der "Rotation" in Hannover. Ihre Pleasant Dreams Tournee sollte die Gruppe 1982 in das damals noch geteilte Berlin führen, doch wurde das Berlin-Konzert kurzerhand abgesagt. Die offizielle Begründung lautete, der Gitarrist habe sich den Arm gebrochen. Vermutlich waren nicht genug Karten für das Konzert, das im Metropol hatte stattfinden sollen, verkauft worden, obwohl die Silberlaube der Freien Universität zuvor mit roten Ramones Plakaten zugepflastert war. Daraufhin fuhr ich kurzentschlossen ein zweites Mal nach Hannover, um die Ramones zu sehen und zu hören und brachte aus dem Konzert als eine Reliquie ein Plektron des Gitarristen Johnny Ramone mit nach Berlin, mit dem er fünf kurze Songs lang seine weiße Mosrite Gitarre bearbeitet hatte und das er in die Menge geworfen hatte. Ich stand in der dritten Reihe und konnte das Plektron, das auf meiner linken Schulter gelandet war, nahezu unbemerkt in meine Hosentasche lancieren. In Großbuchstaben war auf dem Plektron der Name RAMONES eingraviert. Die Band, die es nie zu einer wirklichen Hitsingle oder zu einer goldenen Schallplatte geschafft hatte und deren Songs nicht einmal in die Top 40 kamen, wurde 2002 in die Hall of Fame aufgenommen. Im selben Jahr wurde ein Platz in New York, an dem Bowery und 2nd Street aufeinander treffen, nach ihrem Sänger Joey Ramone benannt.

Bei seinem Tod, heißt es, sollen sich Verwandte und Freunde von Johnny Ramone in dessen Haus getroffen haben, so seine Frau Linda Cummings, Eddie Vedder von Pearl Jam, der Sänger Rob Zombie, Lisa Marie Presley, Pete Yorn, Vincent Gallo, Talia Shire und andere. Ein Konzert anläßlich des 30jährigen Jubiläums der Ramones wurde vor wenigen Tagen von den Red Hot Chili Peppers und Henry Rollins bestrittten.