Hans Nieswandt
20.11.2004

The True Sound Center

von Christian Meyer

Hans Nieswandt ist nicht nur in Köln seit Jahren eine feste Größe in der Housemusik, sondern weltweit aktiv. In der Kölner Underground-Musikzeitschrift SPEX hat Dank seiner Redakteurstätigkeit Ende der 80er Jahre die Clubmusik Einzug gehalten, zeitgleich hat er das Kölner Nachtleben durch damals noch rare Houseparties belebt. Und dass er zusammen mit Eric D. Clark und Justus Köhnke mit dem 'Band'-Projekt "Whirlpool Productions" u.a. in Italien einen Nummer-Eins-Hit hatte, ist längst Legende und in Nieswandts autobiografischem Buch "Plus Minus Acht – DJ Tage DJ Nächte" (KiWi) amüsant kolportiert.

Bei all dem merkt man Nieswandt immer eins an: so sehr er die Mythen der Housemusik kennt, von den Anfangstagen in Chicago, dem hedonistischen Eskapismusgedanken einer unterdrückten, schwarzen und oft homosexuellen US-Bevölkerung, so wenig versucht Nieswandt, dieses Gefühl 1:1 nach Deutschland zu übertragen. Gerade die individuelle, häufig etwas schräg anmutende Version seines Kulturtransfers macht den Reiz aus. Das war bei seinem ersten Soloalbum "Lazer Musik" so, dass gilt auch für sein neues Album "The True Sound Center"

Hans Nieswandt ist nicht schwarz, nicht schwul und lebt auch nicht unter rassistischen Bedingungen in den USA. Das sind die Eckdaten für die Entstehung von Disco in den 70er Jahren und für House in den 80er Jahren, nicht aber seine. Deswegen ist bei ihm Housemusic nicht identisch mit der Housmusic. Hans Nieswandt hat es damals in einer Kolumne der SPEX H-Musik genannt, um die Verwandtschaft zum House, aber auch die persönliche Auslegung davon (z.B. als Hans-Musik) zu beschreiben. Und so kreist sein &Mac226;true sound center’ zwar um den ästhetischen Ansatz der Housmusik als Update von Discomusik, aber eben auch um das eigene Leben: "So fein" ist eine Art Kinderlied mit simplizistischem Gagatext, "Ich vermiss die Zeit" ein rührendes Liebeslied, Gesungen von Gabriel Ananda – zwei von einigen hemmungslosen Popsongs der CD. Die ungewöhnlichen, sehr persönlichen Referenzen machen den Reiz der Musik aus, können aber sicherlich auch für Freunde des amtlichen Sounds ein Problem darstellen. Doch auch die Standards werden hier abgedeckt: "Keep Em Busy", "Anarkist","Yeh Pump It" oder "Gloria" ist klassische Housemusik in ihren vielfältigen Variationen, die eigene Handschrift ist aber immer hörbar: H-Musik.