BRAUN & THE MOB
01.02.2005

BRAUN & THE MOB

von Christian Meyer

„Beige turns Braun“ erklärt ein Aufkleber auf der CD. Gemeint ist damit, dass sich der ehemals unter dem Namen Beige firmierende Elektronik-Musiker Oliver Braun einen neuen Anstrich verpasst hat. Das gilt allerdings nur für den Namen, nicht für die Musik. Bereits auf der letzten CD mit dem schönen Titel „Ein Königreich für eine Handgranate“ (der Wunsch galt den festgefahrenen Strukturen im Musikbusiness) stand sein ganz eigener, abstrakter Funk-Entwurf.

Nach wie vor zählt bei Oliver Braun die musikalische Leerstelle genau so viel wie der klanglich ausgefüllte Raum. Mitunter scheinen die Stücke fast auseinander zu fallen, der Rhythmus vor lauter Stolpern ganz aus dem Ruder zu laufen, wenn eine kleine Melodie nur mit äußerster Anstrengung gerade noch als Klammer zwischen den rhythmischen Einzelteilen vermitteln kann. Auch die Soundauswahl ist weiterhin obskur: hier regieren keine fetten Bässe, sondern flache, mitteltönige Sounds. Quietscheentchen, verstimmte Geigen, eine fiepsende Orgel und eine kurzatmige Trompete bestimmen das Klangbild. Neu ist, dass ihm dabei ein zehnköpfiger Trupp, „the Mob“ genannt, zur Seite steht. Das entspricht dem Stil seiner Plattenfirma „Nonplace“. Beim Labelchef Burnt Friedman werden z.B. Karibik-durchtränkte Jamsessions digital zusammengesetzt. Neu ist auch, dass die Stimme auf „As the veneer of dumbness starts to fade…” (eine Anspielung auf Mark Stewarts Agit-Prop-Platte von 1985) stark in den Vordergrund gerückt ist. In einem Interview zum letzten Album hatte er das bereits angekündigt, aber auch gewusst, dass er Probleme mit den Texten haben könnte. Man müsse schon etwas zu sagen haben, oder „Du machst es völlig dadaistisch…, da weiß ich aber nicht, ob man das durchhält…“, erklärte Braun. Er hat es durchgehalten! Ein Pendant zu den destabilisierenden Momenten der Musik sind nun die verbalen Äußerungen: meist kurze, abgehackte Laute, wie Verstümmelungen von Pop-Klischees: „da haaaah! da huuuuda ph***!“ heißt lautmalerisch ein Titel.

Im Intro der großartigen CD klingeln böse Menschen an der Tür und lassen verlauten: „We are here to program you to take your place in society“. Man hört Schüsse, und der Adressat antwortet: “You wish!”. “Denkste” sagt auch Braun mit seiner Musik und programmiert damit den funkig-subversiven Fehler im System.